Seiten

Freitag, 31. März 2017

Der Mond ist aufgegangen

Mal angenommen, also, nur mal angenommen, der Nachwuchs macht tatsächlich Anstalten, müde zu sein - dann geht die Party richtig los. Nach einem langen Tag, vorlesen, rumtoben, Essenszirkus, fangen spielen, buddeln, Blumen gießen, Katze ärgern, Papa anrufen, Oma anrufen, nach Opa fragen, Kaba trinken, Banane matschen, Autos angucken, Kirchturm suchen, Laster zählen, Traktoren nachahmen, Lego spielen und gefühlt zahllosen Malen auf Wehwehchen pusten könnte es ja sein, dass der Sommerspross müde ist. War man den Nachmittag draußen, kommt das erste Kunststück: den Sommerspross davon überzeugen, dass die Blumen nun genug Wasser bekommen haben, eher am ertrinken sind und keinen Durst mehr haben. Also schnell die Ohren zuhalten, liebe Nachbarn. Unser Kind leidet nicht, er soll nur ins Haus gehen. Die Trickkiste ist groß: "Komm, wir füttern die Katze" oder "Lass uns drinnen Blumen gießen". Noch kurz diverse Spielsachen aufräumen. Kindergrill, BobbyCar, Bagger und diverse andere Dinge im Kabuff verstauen und ins Haus gehen. Dann sind auch im Haus Blumen gegossen und die Katze muss keinen Hunger mehr leiden. Nächste Aktion: Zwei Stockwerke zurücklegen und den Sommerspross überreden, mir den Traktor zu geben (wahlweise auch ein Brezelstück, eine Wasserflasche oder einen Magneten), damit er die Treppen hochklettern kann. Ist auch dieses Kunststück geschafft, können wir uns endlich ans Abendessen machen. Wir kochen Suppe. Dann hat jeder seinen Spaß. Gemüse kochen, Brühe dazukippen, eventuell Milch, alles pürieren und fertig ist der Gaumenschmaus. Eventuell ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, das Kind von einem tiefen Teller zu überzeugen. Gerne bringt er stattdessen einen flachen, der zum Wohle des Fußbodens eventuell ausgetauscht werden sollte. Aber nur eventuell und falls man nicht noch putzen möchte (es soll ja Muttis geben, die darin eine Erfüllung finden). Abenteuerliche zehn Esslöffel später fällt dem Kleinen ein, dass er ins PE (Bett) möchte und dort bitte schleunigst an die Milchbar. Die eigentlichen Diskussionen beginnen. Großkampf auf dem Wickeltisch, Kickboxversuche des Sohnemanns und meine kläglichen Versuche, den lustig gemeinten Tritten auszuweichen. Mit acht Armen gelingt es mir dann, ihm den Schlafanzug anzuziehen und ins Bad zu bugsieren. Zähne putzen! Ich bin mittlerweile Schweiß gebadet. Dann läuft der Sommerspross freudestrahlend Richtung Bett, in der einen Hand ein Auto, in der anderen der Gabelstapler. "Tatze", ruft er noch. Ja, das Kuscheltier muss auch noch mit. Also machen wir es uns mit diversen Fahrzeugen, einer weißen Tigerkatze und uns beiden gemütlich, der Nachwuchs dockt an. Zwischen begeisterten Schmatzern brabbelt der Spross noch einige Worte, Kaggaaa (Bagger), Kitu (Kirchturm), Tattaaaa (Laster) und lässt mich vollkommen begeistert an den Erlebnissen seines Tages teilhaben. Ein bisschen summe ich noch ein Abendlied, dann habe ich gewonnen. Kind schläft. Ich auch fast...

Sonntag, 26. Februar 2017

Dutzi dutzi teita

Die ersten Worte eines Kindes merkt man sich immer. Ob nun Ball, Papa oder Katze - das erste Wort wird aufgeschrieben. Unermüdlich versuchen wir auch, unserem Sommerspross die Freuden der Sprache beizubringen. Selbstverständlich mit der Betonung darauf, dass es als und nicht wie heißt, der Fuß nicht nur Fuß ist, sondern auch Bein hat und der Dativ dem Genitiv sein Tod ist. Natürlich versteht der Sommerspross das schon alles und antwortet in grammatikalisch einwandfreien Sätzen, die nicht mehr mit Rotstift korrigiert werden müssen. Wenn da nicht die liebe Verwandtschaft wäre. Die tut ja auch alles, um dem Kind ebenfalls das Sprechen beizubringen. "Tick-tack gucken?", wird der kleine Knopf gefragt. Er sieht etwas ratlos aus und entgegnet dann vorsichtig, ob denn die Wanduhr von der Ururgroßmutter gemeint sei, die gerade 15 Uhr geschlagen hat. "Ja, Tick-tack", heißt es wieder. "Sommerspross gucken?" Er schüttelt verwirrt den Kopf, schlägt in seinem Wörterbuch Erwachsene-Kinder nach und liest: Bei unklaren Äußerungen erwachsener Menschen einfach nicken, brabbeln und fröhlich glucksen. Wird der Sommerspross am Ende eines solchen Besuches abgeholt, wundert sich die stolze Mama natürlich, warum die sorgsam eingebleute deutsche Sprache wieder auf Normalnull gesunken ist. Ähnliche Szenarien spielen sich bei anderen Verwandten ab. Man möchte mit dem Sommerspross spazieren gehen. Es geht immerhin um den täglichen Bedarf an Vitamin D, der unbedingt gedeckt werden sollte. "Teita gehen?", wird der Sommerspross gefragt. Der steht etwas ratlos in der Weltgeschichte herum und fragt sich wahrscheinlich, mit welchen sprachlichen Faux-Pas er nun konfrontiert wird. "Oder ata?", wird die Frage noch ein wenig ausformuliert. Das Wörterbuch sagt dem Sommerspross, dass Ata in der Regel ein Putzmittel ist, um Waschbecken im heimischen Badezimmer wieder strahlend rein zu wienern, unter Umständen und bei besonders schweren Fällen sprachlicher Verwirrtheit erwachsener Personen auch ein Synonym für Spaziergang ist. Dem Sommerspross raucht der Kopf. Immer diese Simultanübersetzung im Kopf. Und das noch ohne abgeschlossenes Hochschulstudium. Daher hofft der Sommerspross, dass die sprachlichen Defizite der Erwachsenen in seinem Umkreis zumindest bis zu seiner Einschulung passé sind und seine neuen Schulfreunde zumindest mit einem ganz normalen "Moin Moin" und nicht "Dutzi dutzi" begrüßt werden. Ein bisschen Hoffnung besteht ja noch.

Sonntag, 19. Februar 2017

Kostenfrage

Es ist ein wunderschönes Gefühl, Eltern zu werden. Gemeinsam eine Geburt miterleben zu dürfen, dann das kleine Würmchen im Arm zu halten, die ersten Wochen, Monate und Jahre zu sehen, wie das Kind größer wird, erste Geburtstage feiern, Pflästerchen auf aufgeschrammte Knie zu kleben, aber auch mal an die erzieherischen Grenzen zu kommen. Trotzphasen, Essen-Verweiger-Phasen, schlaflose Nächte - das alles macht man gemeinsam durch. Auch heute gucke ich wieder in den Spiegel und sehe außer dunklen Ringen unter den Augen nur eine nicht vorhandene Frisur und neben mir eine Tafel Frustschokolade liegen, um den Tag zu überstehen. Trotzdem: wir haben einen glücklichen Sommerspross und versuchen so gut es geht, unserem Kind eine gute Erziehung zukommen zu lassen. Gemeinsam! Ich bin eher der Bad Cop und ein bisschen strenger, der Göttergatte (und momentaner Alleinverdiener) nutzt die Zeit, die er mit seinem Sohn hat und macht auch mal eine halbe Stunde Quatsch mit dem Sommerspross. Wir besprechen viel zusammen, sind uns nicht immer einig, aber schließen Kompromisse - mal mehr und mal weniger zähneknirschend. Wie es eben so ist. Wenn ich mich gerade aber oder auch in den vergangenen Jahren schon in meinem Freundeskreis umhöre und umgehört habe, läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ja, in unserer heutigen Zeit gibt es viele Scheidungen, viele Beziehungen gehen auseinander. Ich kenne ein Elternpaar, das kein Paar ist, die aber trotzdem zusammen wohnen, um dem gemeinsamen Kind Eltern zu sein. Auch hier sind Kompromisse gefragt, aber um des Kindes Wohle wollen sie diese Art von Elternmodell durchziehen. Da sie sich super verstehen, ist das ein kein Problem. Doch eher traurige Nachrichten liest man jeden Tag in der Presse, auch im nahen Umfeld gibt es Streitereien. Es ist ein Tauziehen ohnegleichen. Anstelle des Seiles sind jedoch die Kinder diejenigen, an denen herumgezerrt wird. Besuchsverbote sind nicht nur eines, ich habe schon von Reisepässen gehört, die nicht heausgegeben wurden, sodass ein Urlaub nicht stattfinden konnte. Verschlossene Türen, wenn die Kinder abgeholt werden sollten oder - und das ist fast am schlimmsten: Lügengeschichten, die den Kindern über das andere Elternteil erzählt werden, damit es von sich aus den Umgang verweigert. Elternteile, die ihre Kinder nicht sehen können, außer im Beisein des Anderen. Kinder, die immer nur mitbekommen, wie sich ihre Eltern streiten. Kinder, die verzweifelte Elternteile vor sich haben. Kinder, die nicht verstehen, warum Mama und Papa sich nicht mehr lieb haben. Kinder, die den geliebten Papa oder die geliebte Mama nicht sehen dürfen, weil es einem gerade nicht in den Kram passt. Kinder, die als Machtmittel benutzt werden. Mal begreifen beide Elternteile nicht, was sie damit anrichten, mal ist es nur ein Elternteil, der auf stur schaltet, weil er dem anderen eins auswischen möchte. Aber ganz ehrlich: Ist euch eigentlich bewusst, wem ihr damit schadet? Dem Ex-Partner? Oder vielleicht doch am allermeisten dem eigenen Kind oder den eigenen Kindern? Wenn Kinder nur miterleben, dass negativ über Mama oder Papa gesprochen wird? Wenn sie das geliebte Elternteil nicht sehen dürfen, weil einer oder eine es verbietet? Versteht das ein Kind, besonders wenn es noch klein ist? Oder zum Kuckuck: Ist denjenigen, die ihr Kind absichtlich einem solchen Stress aussetzen, eigentlich klar, was sie damit anrichten? Ja, eine Beziehung kann zerbrechen. Aber denkt doch mal gefälligst an eure Kinder, bevor ihr eure Machtspielchen auf Kosten des eigenen Nachwuchses austragt.

Samstag, 4. Februar 2017

Aus dem Leben eines Sommersprosses Teil III

Mama hat mich wieder auf einen Lehrgang mitgenommen. Anscheinend war ich dort letztes Jahr auch schon. Ganz dunkel erinnere ich mich an das viele glitzernde Blech, auf dem ich immer noch nicht rumtrommeln durfte. Schade! Morgens fing alles mit einem Frühstück an. Das war mir meistens egal, denn ich spielte am Tisch am liebsten mit meinem Traktor. Oder las aus meinen Bilderbüchern vor. Je nachdem, ob mir gerade wieder einer der Erwachsenen (!!!) meinen Traktor geklaut hatte oder nicht. Vor allem die Männer waren da ganz heiß drauf. Haben die als Kind keinen Traktor gehabt? Komische Bezeichnungen haben die dort für meinen Traktor gehabt, einer sagte "Schlepper", manchmal klang es auch wie "Schlebbaaaaa", andere sagten "Bulldog". Naja, hauptsache, ich bekam meinen Traktor wieder, wenn die großen Kinder ausgespielt hatten. Nach dem Frühstück fuhr ich meistens auf meinem BobbyCar mit Mama zusammen in einen anderen großen Saal. Eine Stunde lang stand dann vorne jemand und erzählte uns etwas. Besonders viel habe ich davon nicht verstanden, viel schöner war es, wenn alle miteinander gesungen haben. Dann und wann kommentierte ich natürlich auch. Immer nur zuhören geht ja gar nicht, das kann Mama auch nicht. Laut und deutlich warf ich ab und zu mein neues Lieblingswort in die Runde: "Traktooooor." Oh und ab und zu hat es mich in der Windel gezwickt. In besonders ruhigen Momentan erzählte ich laut und deutlich, dass ich gerade Pipi gemacht habe: "Pipi! Kloooo." Ansonsten blätterte ich durch meine Bücher, ließ den Traktor und den Bagger fahren und kuschelte mit Mama. Richtig spannend wurde es etwas später. Alle waren in kleine Gruppen aufgeteilt, Dirigiergruppen waren das. Was das sein sollte? Keine Ahnung. Immer abwechselnd stand einer vorne, wedelte mit den Armen rum und der Rest der Gruppe spielte dazu mehr oder weniger schöne Töne. Manchmal waren es auch viel weniger schöne Töne. Aber das darf ich nicht laut sagen, sonst lässt Mama mich bestimmt nicht mehr mit ihrem silbernen Blechdings spielen. Oh, das ist so toll. Mundstück draufstecken, runternehmen, drauf, runter,... Gestritten haben wir uns nur, wenn sie wieder Krach damit machen wollte, ich aber mit dem Spielen noch nicht fertig war. Besänftigt wurde ich dann mit meinen kleinen Crackern. Mamas Kumpel, der auch so ein Blechdings spielt, sagte immer "Frolic" dazu.
In der Gruppe wurde übrigens auch gefilmt. Aber immer nur der, der gerade wie wild vorne mit den Armen rumfuchtelte. Nach einiger Zeit sahen sich alle das Video an. Ich wurde nie gefilmt! Das fand ich ziemlich schade und fuhr daher ab und zu mit meinem BobbyCar ins Bild, drehte eine Schleife und fuhr wieder zurück. Mein BobbyCar war sowieso das Highlight. Am Ende des Lehrgangs konnte ich damit eine Rampe runtersausen, und Mama musste mich wieder hochschieben. Wenn wir morgens ankamen, stand das BobbyCar aber nie dort, wo ich es abends geparkt hatte. Ich glaube ja, dass es auf dem Lehrgang ganz viele Menschen gab, die in ihrer Jugend nicht BobbyCar-fahren durften. Das mussten sie in der Woche mit meinem Auto nachholen. Naja, es blieb zum Glück heile.
Geschlafen habe ich tagsüber in einem Raum, in dem es immer ein bisschen nach Kerzen roch. Dort war eine richtig ruhige Atmosphäre. Außer mir schliefen dort auch Liederbücher, ein Kreuz und dann und wann kamen andere Leute rein, die kurz verweilten, mich aber schlafen ließen. Mama sagte dazu, es sei kein Wunder, in der Kirche schlafen wohl die meisten Leute am besten. Danach durfte ich ganz oft Kaffee kochen. In der Tagungsstätte gab es nämlich einen Automaten, der zischte und schäumte und ordentlich Krach machte. Nicht so ein langweiliges Ding mit Kapsel wie Zuhause. Knöpfchen drücken und schon kamen die tollsten Sachen zustande. Bei 80 Teilnehmern auf dem Lehrgang kam ich ganz schön ins Schwitzen. Was trinken die denn auch soviel Kaffee? Waren die etwa müde? Nachts sollen die schlafen. Mama erzählt immer, dass man hier nachts nicht soviel schläft. Stattdessen werden Schwarzwurst und Zwiebelsalat gegessen, ganz viele Flüssigkeiten getrunken (die für mich wohl noch tabu sind. Ich durfte da nie dabei sein! Unverschämtheit) und geredet, geredet, geredet. Irgendwann, wenn ich mal groß bin, dann mache ich da auch mit. Ich werde komisch mit den Händen wedeln, so ein eigenes, glitzerndes Blechding haben und nachts meinen Senf dazugeben. Ich freue mich schon!

Freitag, 20. Januar 2017

Papatag

Muddi bittet mal wieder um Ausgang - für einen ganzen Tag. Sie möchte von morgens bis abends zu einem Workshop. Ohne Kind! D.h. früh morgens los, um schon das Frühstück dort einnehmen zu können, erst abends gegen 22Uhr zurück. Also ist Papatag angesagt. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. Am Kühlschrank hängen bereits zwei Listen. Die eine sagt, was der eigentlich 70%-Stillsommerspross zu 30% ab und zu gerne isst. Oder vielmehr eventuell gerne isst, um nicht vom Fleisch zu fallen. Aber nur dann isst, wenn er möchte. Daneben hängt eine weitere Liste. Nur für den Fall, dass der Papa überlegt, dem Kind bei 8 Grad minus nur Söckchen und einen leichten Pulli anzuziehen, kann er der Liste den einen oder anderen Hinweis entnehmen, doch wenigstens an Mütze und Handschuhe zu denken.


Während die Helikoptermuddi also plant und plant, freut und freut sich der Papa auf den Tag mit seinem Spross. Er möchte sich mit einem anderen Papa zusammentun, der ebenfalls für einen Tag Strohwitwer ist und seine zwei Töchter bespaßen darf. Ich sehe es schon vor mir: Frühstück beim Restaurant zum Goldenen M, Schlittenfahren auf dem Stocksberg (inklusive begeisterter "Schleeeeee, Schleeeee"- Rufe des Sommersprosses), als Stärkung nach so viel Sport natürlich ne schöne, fettige Bratwurst mit Extra-Ketchup und Mittagsschlaf im Auto. Dazwischen eventuell leichte Panikattacken des Papas, wo die volle Windel gewechselt werden kann. Aber selbst das ist kein Problem. Die Mädels sammeln Holz, es wird ein Lagerfeuer gemacht und mit dieser Wärme wird selbst das Windelwechseln im Tiefschnee zum Spaziergang. Danach gibt es über dem Feuer geröstete Maiskringel für die Kids und Kaffee aus der Thermoskanne für die Papas. So geht ein Vormittag ganz schnell rum. Nachmittags zu Oma und Opa, die voller Freude das Enkelchen bespaßen, während Papa ein bisschen erschöpft für einige Minuten auf der Couch einpennt. Der Sommerspross wird mit Brezel und Babykeks abgefüttert und schwelgt in Glück. Zuhause noch ein bisschen Kaffeemaschine spielen, Katze am Schwanz ziehen, dem Staubsauger hinterherrennen (Kagaaaaa!) und irgendwann vollkommen k.o. auf Papas Arm einschlafen. Dass er sich solange nicht bewegen kann, muss nicht extra erwähnt werden. Macht nichts, wenn Mama irgendwann glücklich und erholt nach Hause kommt, liegen Papa und Sommerspross Arm in Arm auf der Couch. Im Tiefschlaf! Am nächsten Tag wundert sich nur der Sommerspross, warum es keine Pommes zum Frühstück gibt... Papa ist halt doch cooler als Mama.

Montag, 16. Januar 2017

Superwoman

Immer wieder laufen sie einem über den Weg: Diese scheinbar perfekten Mütter. Spielerisch meistern sie den Alltag zwischen Kind(ern) erziehen und Haushalt, Ehemann beglücken, kochen, putzen und Kaffeetrinken. Dazu sind sie topgestylt, frisiert, geduscht und grinsen dich mit einem Colgate-Lächeln an. Pünktlich steht das Essen auf dem Tisch, und wenn wir diese Vorzeigemuttis besuchen, liegt kein Spielzeug auf dem Boden herum, die Kinder haben perfekte Manieren und matschen ihr Essen nicht. Natürlich schläft der Nachwuchs durch (es ist ja auch das Wichtigste auf der Welt, sollte man meinen). Die Figur aus der Zeit vor der Schwangeschaft ist längst zurück, und diese Supermuttis sehen sogar noch besser aus als vorher. Und dann gibt es noch uns, die Normalos. Mit etwas Glück schaffe ich es morgens, meine Haare zu kämmen und vorher sogar zu duschen. Frisur danach? Muddistyle: irgendwie zusammengeknuddelt mit einem ausgeleierten Haarband. Passt! Reicht wieder bis zum nächsten Besuch im Bad. Dann folgt der ultimative Kampf mit der Zahnbürste. Nein, ich kann meine Zähne putzen. Es geht um den Sommerspross. Manchmal putzt er voller Begeisterung, dann ist es wieder der Kampf David gegen Goliath. Und ich sage euch: der kleine Mann hat eine enorme Kraft, wenn er nicht will. Irgendwie schaffen wir es dann doch, die kleinen spitzen Beißerchen ansatzweise zu putzen. Wenn ich dann einige Zeit später auf andere Freundinnen treffe, sprechen die mich meistens noch auf die Zahnpastakrümel auf meinem Shirt an. Na gut, immerhin habe ich den Mund vom Sommerspross noch mit einem Waschlappen gesäubert und er sieht top aus. Oh, oder doch nicht? Auf seinem Pulli klebt noch eine Spur Hirsekringel mit Brezelmatsch. Ja, das war sein Frühstück. Etwas anderes wollte er nicht. Ach, und dein Vorzeigekind hat anstandslos den Hirse-Früchte-Brei mit Goji-Beeren gegessen? Schön! Nachmittags bekommen wir Besuch.Achtung! Entweder stolpert man an der Haustür über unsere kleine, etwas tapsige Katze oder über einen Spielzeugbagger oder ein Auto oder einen Hausschuh oder über eine leere Flasche, die der Sommerspross voller Freude aus dem ersten Stock über die Absperrung runtergeschmissen hat. Das kracht nämlich so schön! Findet er. Ich weniger, aber wir Normalomuddis werden ja nicht gefragt. Bei der folgenden Kaba-Waffel-Schlacht sind alle anwesenden Kinder der Normalomuddis anschließend badewannenreif. Die Kabaflecken zieren nicht nur die Shirts, Hosen und natürlich die niedlichen kleinen Kinderschnuten. Auch unser Parkettboden (Perlen vor die Säue, glaubt mir) wollte etwas von dem leckeren Kaba haben. Rund um den Tisch sind nämlich kleine Flecken. Abwechselnd hauen sich die anwesenden Kinder irgendwas gegenseitig an den Kopf, schubsen sich vom BobbyCar ("Ich jetzt!"), zwicken sich, weil der Bagger jetzt unbedingt in den Besitz des anderen Kindes übergehen muss, brüllen, heulen und stampfen mit den Füßen auf, weil die Turnstunde über das Sofa heute wieder nicht stattfinden darf. Auch ein, zwei perfekte Kinder sind da. In schneeweißen Shirts und Bügelfaltenhosen sitzen sie am Tisch, krümeln nicht, kleckern nicht und ihre Muddis machen begeistert Fotos. Das sind dann solche, die in sozialen Netzwerken hochgeladen werden: "Schaut mal, wie perfekt mein Kind ist." Währenddessen fragen sich eine Freundin und ich, wann wir eigentlich das letzte Mal beim Friseur waren. Der Ansatz ist schon etwas herausgewachsen und die Spitzen schreien förmlich nach einer Schere. Zeit für einen Friseurbesuch? Nein. Sind irgendwann alle wieder weg und die Bude ruhig, ist der Sommerspross fix und fertig. Aber überglücklich, in einem nicht-perfekten Haus mit Strubbelmama und Chaosfreunden aufwachsen zu dürfen. Wer braucht auch schon Muddis, die in High-Heels und akurater Hochsteckfrisur das Essen servieren, wenn ordinäre Nudeln mit Soße oder Pommes mit Ketchup Kinderaugen leuchten lassen...

Freitag, 30. Dezember 2016

HoHoHo

Gefühlt eine Tonne Geschenkpapier, eine aufgrund der vielen Lichter eine explodierte Stromrechnung, vollgefressene Bäuche und klingelnde Ohren aufgrund der Glöckchen - das ist so eine Erfahrung des diesjährigen Weihnachtsfestes. Also prinzipiell nicht viel anders als in den vergangenen Jahren. Sicher? Nein! Auch wenn der Sommerspross bereits sein zweites Weihnachtsfest mit uns gefeiert hat - an das vom letzten Jahr wird er kaum Erinnerungen haben. Dieses Jahr hat er mitgefiebert. Jeden Tag haben wir ein Türchen im Adventskalender gemeinsam geöffnet, die darin enthaltenen kleinen Autos voller Begeisterung ausgepackt, die "Kaggaaaaaaa"-Rufe mit einem Grinsen aufgenommen und uns auf den nächsten Tag und das nächste kleine Auto gefreut. Die übrigens ich auspacken musste, während sich der Sommerspross strahlend in meinen Schoß kuschelte.Bis zum Heiligen Abend hatte er längst kapiert, dass sich in kleinen, lustig eingepackten Päckchen tolle Sachen verbergen. Als dann am 24. Dezember ein weißbärtiger Mann in einem roten Mantel und einer tiefen Stimme auftauchte und kleine Pakate aus seinem Kartoffelsack zog, hatte der Sommerspross nur noch Augen für den die Päckchen. Der seltsame Mann wurde zwar schief angeschaut, die vielen lustigen Pakete erschienen bald wichtiger. Zum Vorschein kamen unter anderem ein Feuerwehrauto, natürlich ein Bagger (Kaggaaaaaaaaa!!!) und eine Kugelbahn. Letztere bauten der Göttergatte und ich in der Nacht noch auf. Dabei stritten wir uns herrlich, wer nun was aufbauen darf, wer die erste Kugel die Bahn hinunterlaufen lassen darf und wie man die Kugelbahn nun am besten aufbaut. Man muss ja alles testen. Von der Säge schien der Sommerspross des Nachts zu träumen, denn als er morgens aufwachte, sagte er voller Begeisterung "ssssssssss" und machte dazu eine Sägebewegung. Also nix wie los, aufstehen und möglichst noch im Schlafanzug ins Wohnzimmer. Uhrzeit? Egal, es wird gespielt. Mama und Papa können sich ja am Kaffee festhalten. Nach drei Tagen Weihnachten war es dann aber auch wieder genug. Endlose Völlerei, weitere Päckchen, Verwandtschaftsbesuche und - dem Protest meines Göttergatten sei Dank - keine seltsamen Lieder vor dem Essen. Ab und zu wurde auch der Weihnachtsbaum vom Sommerspross umdekoriert. Soll heißen: Kugeln abhängen, Pferdchen an einen anderen Zweig (versuchen zu) hängen und immer wieder voller Begeisterung vor der Lichterkette stehen und "Kerze" rufen. Schön war es, aber zum Glück ist Weihnachten nur einmal im Jahr...