Die ersten Worte eines Kindes merkt man sich immer. Ob nun Ball, Papa oder Katze - das erste Wort wird aufgeschrieben. Unermüdlich versuchen wir auch, unserem Sommerspross die Freuden der Sprache beizubringen. Selbstverständlich mit der Betonung darauf, dass es als und nicht wie heißt, der Fuß nicht nur Fuß ist, sondern auch Bein hat und der Dativ dem Genitiv sein Tod ist. Natürlich versteht der Sommerspross das schon alles und antwortet in grammatikalisch einwandfreien Sätzen, die nicht mehr mit Rotstift korrigiert werden müssen. Wenn da nicht die liebe Verwandtschaft wäre. Die tut ja auch alles, um dem Kind ebenfalls das Sprechen beizubringen. "Tick-tack gucken?", wird der kleine Knopf gefragt. Er sieht etwas ratlos aus und entgegnet dann vorsichtig, ob denn die Wanduhr von der Ururgroßmutter gemeint sei, die gerade 15 Uhr geschlagen hat. "Ja, Tick-tack", heißt es wieder. "Sommerspross gucken?" Er schüttelt verwirrt den Kopf, schlägt in seinem Wörterbuch Erwachsene-Kinder nach und liest: Bei unklaren Äußerungen erwachsener Menschen einfach nicken, brabbeln und fröhlich glucksen. Wird der Sommerspross am Ende eines solchen Besuches abgeholt, wundert sich die stolze Mama natürlich, warum die sorgsam eingebleute deutsche Sprache wieder auf Normalnull gesunken ist. Ähnliche Szenarien spielen sich bei anderen Verwandten ab. Man möchte mit dem Sommerspross spazieren gehen. Es geht immerhin um den täglichen Bedarf an Vitamin D, der unbedingt gedeckt werden sollte. "Teita gehen?", wird der Sommerspross gefragt. Der steht etwas ratlos in der Weltgeschichte herum und fragt sich wahrscheinlich, mit welchen sprachlichen Faux-Pas er nun konfrontiert wird. "Oder ata?", wird die Frage noch ein wenig ausformuliert. Das Wörterbuch sagt dem Sommerspross, dass Ata in der Regel ein Putzmittel ist, um Waschbecken im heimischen Badezimmer wieder strahlend rein zu wienern, unter Umständen und bei besonders schweren Fällen sprachlicher Verwirrtheit erwachsener Personen auch ein Synonym für Spaziergang ist. Dem Sommerspross raucht der Kopf. Immer diese Simultanübersetzung im Kopf. Und das noch ohne abgeschlossenes Hochschulstudium. Daher hofft der Sommerspross, dass die sprachlichen Defizite der Erwachsenen in seinem Umkreis zumindest bis zu seiner Einschulung passé sind und seine neuen Schulfreunde zumindest mit einem ganz normalen "Moin Moin" und nicht "Dutzi dutzi" begrüßt werden. Ein bisschen Hoffnung besteht ja noch.
Vorsorge, Ultraschall, Geburtsvorbereitungskurse, Hebammensuche und ein angepasstes Leben mit scheinbar notwendigen Tests. Wer glaubt, dass Kinderkriegen in der Moderne so einfach ist, könnte auf ungeahnte Schwierigkeiten stoßen...
Sonntag, 26. Februar 2017
Sonntag, 19. Februar 2017
Kostenfrage
Es ist ein wunderschönes Gefühl, Eltern zu werden. Gemeinsam eine
Geburt miterleben zu dürfen, dann das kleine Würmchen im Arm zu halten,
die ersten Wochen, Monate und Jahre zu sehen, wie das Kind größer wird,
erste Geburtstage feiern, Pflästerchen auf aufgeschrammte Knie zu
kleben, aber auch mal an die erzieherischen Grenzen zu kommen.
Trotzphasen, Essen-Verweiger-Phasen, schlaflose Nächte - das alles macht
man gemeinsam durch. Auch heute gucke ich wieder in den Spiegel und
sehe außer dunklen Ringen unter den Augen nur eine nicht vorhandene
Frisur und neben mir eine Tafel Frustschokolade liegen, um den Tag zu
überstehen. Trotzdem: wir haben einen glücklichen Sommerspross und
versuchen so gut es geht, unserem Kind eine gute Erziehung zukommen zu
lassen. Gemeinsam! Ich bin eher der Bad Cop und ein bisschen strenger,
der Göttergatte (und momentaner Alleinverdiener) nutzt die Zeit, die er
mit seinem Sohn hat und macht auch mal eine halbe Stunde Quatsch mit dem
Sommerspross. Wir besprechen viel zusammen, sind uns nicht immer einig,
aber schließen Kompromisse - mal mehr und mal weniger zähneknirschend.
Wie es eben so ist. Wenn ich mich gerade aber oder auch in den
vergangenen Jahren schon in meinem Freundeskreis umhöre und umgehört
habe, läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ja, in unserer heutigen
Zeit gibt es viele Scheidungen, viele Beziehungen gehen auseinander. Ich
kenne ein Elternpaar, das kein Paar ist, die aber trotzdem zusammen
wohnen, um dem gemeinsamen Kind Eltern zu sein. Auch hier sind
Kompromisse gefragt, aber um des Kindes Wohle wollen sie diese Art von
Elternmodell durchziehen. Da sie sich super verstehen, ist das ein kein
Problem. Doch eher traurige Nachrichten liest man jeden Tag in der
Presse, auch im nahen Umfeld gibt es Streitereien. Es ist ein Tauziehen
ohnegleichen. Anstelle des Seiles sind jedoch die Kinder diejenigen, an
denen herumgezerrt wird. Besuchsverbote sind nicht nur eines, ich habe
schon von Reisepässen gehört, die nicht heausgegeben wurden, sodass ein
Urlaub nicht stattfinden konnte. Verschlossene Türen, wenn die Kinder
abgeholt werden sollten oder - und das ist fast am schlimmsten:
Lügengeschichten, die den Kindern über das andere Elternteil erzählt
werden, damit es von sich aus den Umgang verweigert. Elternteile, die
ihre Kinder nicht sehen können, außer im Beisein des Anderen. Kinder,
die immer nur mitbekommen, wie sich ihre Eltern streiten. Kinder, die
verzweifelte Elternteile vor sich haben. Kinder, die nicht verstehen,
warum Mama und Papa sich nicht mehr lieb haben. Kinder, die den
geliebten Papa oder die geliebte Mama nicht sehen dürfen, weil es einem
gerade nicht in den Kram passt. Kinder, die als Machtmittel benutzt
werden. Mal begreifen beide Elternteile nicht, was sie damit anrichten,
mal ist es nur ein Elternteil, der auf stur schaltet, weil er dem
anderen eins auswischen möchte. Aber ganz ehrlich: Ist euch eigentlich
bewusst, wem ihr damit schadet? Dem Ex-Partner? Oder vielleicht doch am
allermeisten dem eigenen Kind oder den eigenen Kindern? Wenn Kinder nur
miterleben, dass negativ über Mama oder Papa gesprochen wird? Wenn sie
das geliebte Elternteil nicht sehen dürfen, weil einer oder eine es
verbietet? Versteht das ein Kind, besonders wenn es noch klein ist? Oder
zum Kuckuck: Ist denjenigen, die ihr Kind absichtlich einem solchen
Stress aussetzen, eigentlich klar, was sie damit anrichten? Ja, eine
Beziehung kann zerbrechen. Aber denkt doch mal gefälligst an eure
Kinder, bevor ihr eure Machtspielchen auf Kosten des eigenen Nachwuchses
austragt.
Samstag, 4. Februar 2017
Aus dem Leben eines Sommersprosses Teil III
Mama hat mich wieder auf einen Lehrgang mitgenommen. Anscheinend war
ich dort letztes Jahr auch schon. Ganz dunkel erinnere ich mich an das
viele glitzernde Blech, auf dem ich immer noch nicht rumtrommeln durfte.
Schade! Morgens fing alles mit einem Frühstück an. Das war mir meistens
egal, denn ich spielte am Tisch am liebsten mit meinem Traktor. Oder
las aus meinen Bilderbüchern vor. Je nachdem, ob mir gerade wieder einer
der Erwachsenen (!!!) meinen Traktor geklaut hatte oder nicht. Vor
allem die Männer waren da ganz heiß drauf. Haben die als Kind keinen
Traktor gehabt? Komische Bezeichnungen haben die dort für meinen Traktor
gehabt, einer sagte "Schlepper", manchmal klang es auch wie
"Schlebbaaaaa", andere sagten "Bulldog". Naja, hauptsache, ich bekam
meinen Traktor wieder, wenn die großen Kinder ausgespielt hatten. Nach
dem Frühstück fuhr ich meistens auf meinem BobbyCar mit Mama zusammen in
einen anderen großen Saal. Eine Stunde lang stand dann vorne jemand und
erzählte uns etwas. Besonders viel habe ich davon nicht verstanden,
viel schöner war es, wenn alle miteinander gesungen haben. Dann und wann
kommentierte ich natürlich auch. Immer nur zuhören geht ja gar nicht,
das kann Mama auch nicht. Laut und deutlich warf ich ab und zu mein
neues Lieblingswort in die Runde: "Traktooooor." Oh und ab und zu hat es
mich in der Windel gezwickt. In besonders ruhigen Momentan erzählte ich
laut und deutlich, dass ich gerade Pipi gemacht habe: "Pipi! Kloooo."
Ansonsten blätterte ich durch meine Bücher, ließ den Traktor und den
Bagger fahren und kuschelte mit Mama. Richtig spannend wurde es etwas
später. Alle waren in kleine Gruppen aufgeteilt, Dirigiergruppen waren
das. Was das sein sollte? Keine Ahnung. Immer abwechselnd stand einer
vorne, wedelte mit den Armen rum und der Rest der Gruppe spielte dazu
mehr oder weniger schöne Töne. Manchmal waren es auch viel weniger
schöne Töne. Aber das darf ich nicht laut sagen, sonst lässt Mama mich
bestimmt nicht mehr mit ihrem silbernen Blechdings spielen. Oh, das ist
so toll. Mundstück draufstecken, runternehmen, drauf, runter,...
Gestritten haben wir uns nur, wenn sie wieder Krach damit machen wollte,
ich aber mit dem Spielen noch nicht fertig war. Besänftigt wurde ich
dann mit meinen kleinen Crackern. Mamas Kumpel, der auch so ein
Blechdings spielt, sagte immer "Frolic" dazu.
In der Gruppe wurde übrigens auch gefilmt. Aber immer nur der, der gerade wie wild vorne mit den Armen rumfuchtelte. Nach einiger Zeit sahen sich alle das Video an. Ich wurde nie gefilmt! Das fand ich ziemlich schade und fuhr daher ab und zu mit meinem BobbyCar ins Bild, drehte eine Schleife und fuhr wieder zurück. Mein BobbyCar war sowieso das Highlight. Am Ende des Lehrgangs konnte ich damit eine Rampe runtersausen, und Mama musste mich wieder hochschieben. Wenn wir morgens ankamen, stand das BobbyCar aber nie dort, wo ich es abends geparkt hatte. Ich glaube ja, dass es auf dem Lehrgang ganz viele Menschen gab, die in ihrer Jugend nicht BobbyCar-fahren durften. Das mussten sie in der Woche mit meinem Auto nachholen. Naja, es blieb zum Glück heile.
Geschlafen habe ich tagsüber in einem Raum, in dem es immer ein bisschen nach Kerzen roch. Dort war eine richtig ruhige Atmosphäre. Außer mir schliefen dort auch Liederbücher, ein Kreuz und dann und wann kamen andere Leute rein, die kurz verweilten, mich aber schlafen ließen. Mama sagte dazu, es sei kein Wunder, in der Kirche schlafen wohl die meisten Leute am besten. Danach durfte ich ganz oft Kaffee kochen. In der Tagungsstätte gab es nämlich einen Automaten, der zischte und schäumte und ordentlich Krach machte. Nicht so ein langweiliges Ding mit Kapsel wie Zuhause. Knöpfchen drücken und schon kamen die tollsten Sachen zustande. Bei 80 Teilnehmern auf dem Lehrgang kam ich ganz schön ins Schwitzen. Was trinken die denn auch soviel Kaffee? Waren die etwa müde? Nachts sollen die schlafen. Mama erzählt immer, dass man hier nachts nicht soviel schläft. Stattdessen werden Schwarzwurst und Zwiebelsalat gegessen, ganz viele Flüssigkeiten getrunken (die für mich wohl noch tabu sind. Ich durfte da nie dabei sein! Unverschämtheit) und geredet, geredet, geredet. Irgendwann, wenn ich mal groß bin, dann mache ich da auch mit. Ich werde komisch mit den Händen wedeln, so ein eigenes, glitzerndes Blechding haben und nachts meinen Senf dazugeben. Ich freue mich schon!
In der Gruppe wurde übrigens auch gefilmt. Aber immer nur der, der gerade wie wild vorne mit den Armen rumfuchtelte. Nach einiger Zeit sahen sich alle das Video an. Ich wurde nie gefilmt! Das fand ich ziemlich schade und fuhr daher ab und zu mit meinem BobbyCar ins Bild, drehte eine Schleife und fuhr wieder zurück. Mein BobbyCar war sowieso das Highlight. Am Ende des Lehrgangs konnte ich damit eine Rampe runtersausen, und Mama musste mich wieder hochschieben. Wenn wir morgens ankamen, stand das BobbyCar aber nie dort, wo ich es abends geparkt hatte. Ich glaube ja, dass es auf dem Lehrgang ganz viele Menschen gab, die in ihrer Jugend nicht BobbyCar-fahren durften. Das mussten sie in der Woche mit meinem Auto nachholen. Naja, es blieb zum Glück heile.
Geschlafen habe ich tagsüber in einem Raum, in dem es immer ein bisschen nach Kerzen roch. Dort war eine richtig ruhige Atmosphäre. Außer mir schliefen dort auch Liederbücher, ein Kreuz und dann und wann kamen andere Leute rein, die kurz verweilten, mich aber schlafen ließen. Mama sagte dazu, es sei kein Wunder, in der Kirche schlafen wohl die meisten Leute am besten. Danach durfte ich ganz oft Kaffee kochen. In der Tagungsstätte gab es nämlich einen Automaten, der zischte und schäumte und ordentlich Krach machte. Nicht so ein langweiliges Ding mit Kapsel wie Zuhause. Knöpfchen drücken und schon kamen die tollsten Sachen zustande. Bei 80 Teilnehmern auf dem Lehrgang kam ich ganz schön ins Schwitzen. Was trinken die denn auch soviel Kaffee? Waren die etwa müde? Nachts sollen die schlafen. Mama erzählt immer, dass man hier nachts nicht soviel schläft. Stattdessen werden Schwarzwurst und Zwiebelsalat gegessen, ganz viele Flüssigkeiten getrunken (die für mich wohl noch tabu sind. Ich durfte da nie dabei sein! Unverschämtheit) und geredet, geredet, geredet. Irgendwann, wenn ich mal groß bin, dann mache ich da auch mit. Ich werde komisch mit den Händen wedeln, so ein eigenes, glitzerndes Blechding haben und nachts meinen Senf dazugeben. Ich freue mich schon!
Freitag, 20. Januar 2017
Papatag
Muddi bittet mal wieder um Ausgang - für einen ganzen Tag. Sie möchte von morgens bis abends zu einem Workshop. Ohne Kind! D.h. früh morgens los, um schon das Frühstück dort einnehmen zu können, erst abends gegen 22Uhr zurück. Also ist Papatag angesagt. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. Am Kühlschrank hängen bereits zwei Listen. Die eine sagt, was der eigentlich 70%-Stillsommerspross zu 30% ab und zu gerne isst. Oder vielmehr eventuell gerne isst, um nicht vom Fleisch zu fallen. Aber nur dann isst, wenn er möchte. Daneben hängt eine weitere Liste. Nur für den Fall, dass der Papa überlegt, dem Kind bei 8 Grad minus nur Söckchen und einen leichten Pulli anzuziehen, kann er der Liste den einen oder anderen Hinweis entnehmen, doch wenigstens an Mütze und Handschuhe zu denken.
Während die Helikoptermuddi also plant und plant, freut und freut sich der Papa auf den Tag mit seinem Spross. Er möchte sich mit einem anderen Papa zusammentun, der ebenfalls für einen Tag Strohwitwer ist und seine zwei Töchter bespaßen darf. Ich sehe es schon vor mir: Frühstück beim Restaurant zum Goldenen M, Schlittenfahren auf dem Stocksberg (inklusive begeisterter "Schleeeeee, Schleeeee"- Rufe des Sommersprosses), als Stärkung nach so viel Sport natürlich ne schöne, fettige Bratwurst mit Extra-Ketchup und Mittagsschlaf im Auto. Dazwischen eventuell leichte Panikattacken des Papas, wo die volle Windel gewechselt werden kann. Aber selbst das ist kein Problem. Die Mädels sammeln Holz, es wird ein Lagerfeuer gemacht und mit dieser Wärme wird selbst das Windelwechseln im Tiefschnee zum Spaziergang. Danach gibt es über dem Feuer geröstete Maiskringel für die Kids und Kaffee aus der Thermoskanne für die Papas. So geht ein Vormittag ganz schnell rum. Nachmittags zu Oma und Opa, die voller Freude das Enkelchen bespaßen, während Papa ein bisschen erschöpft für einige Minuten auf der Couch einpennt. Der Sommerspross wird mit Brezel und Babykeks abgefüttert und schwelgt in Glück. Zuhause noch ein bisschen Kaffeemaschine spielen, Katze am Schwanz ziehen, dem Staubsauger hinterherrennen (Kagaaaaa!) und irgendwann vollkommen k.o. auf Papas Arm einschlafen. Dass er sich solange nicht bewegen kann, muss nicht extra erwähnt werden. Macht nichts, wenn Mama irgendwann glücklich und erholt nach Hause kommt, liegen Papa und Sommerspross Arm in Arm auf der Couch. Im Tiefschlaf! Am nächsten Tag wundert sich nur der Sommerspross, warum es keine Pommes zum Frühstück gibt... Papa ist halt doch cooler als Mama.
Während die Helikoptermuddi also plant und plant, freut und freut sich der Papa auf den Tag mit seinem Spross. Er möchte sich mit einem anderen Papa zusammentun, der ebenfalls für einen Tag Strohwitwer ist und seine zwei Töchter bespaßen darf. Ich sehe es schon vor mir: Frühstück beim Restaurant zum Goldenen M, Schlittenfahren auf dem Stocksberg (inklusive begeisterter "Schleeeeee, Schleeeee"- Rufe des Sommersprosses), als Stärkung nach so viel Sport natürlich ne schöne, fettige Bratwurst mit Extra-Ketchup und Mittagsschlaf im Auto. Dazwischen eventuell leichte Panikattacken des Papas, wo die volle Windel gewechselt werden kann. Aber selbst das ist kein Problem. Die Mädels sammeln Holz, es wird ein Lagerfeuer gemacht und mit dieser Wärme wird selbst das Windelwechseln im Tiefschnee zum Spaziergang. Danach gibt es über dem Feuer geröstete Maiskringel für die Kids und Kaffee aus der Thermoskanne für die Papas. So geht ein Vormittag ganz schnell rum. Nachmittags zu Oma und Opa, die voller Freude das Enkelchen bespaßen, während Papa ein bisschen erschöpft für einige Minuten auf der Couch einpennt. Der Sommerspross wird mit Brezel und Babykeks abgefüttert und schwelgt in Glück. Zuhause noch ein bisschen Kaffeemaschine spielen, Katze am Schwanz ziehen, dem Staubsauger hinterherrennen (Kagaaaaa!) und irgendwann vollkommen k.o. auf Papas Arm einschlafen. Dass er sich solange nicht bewegen kann, muss nicht extra erwähnt werden. Macht nichts, wenn Mama irgendwann glücklich und erholt nach Hause kommt, liegen Papa und Sommerspross Arm in Arm auf der Couch. Im Tiefschlaf! Am nächsten Tag wundert sich nur der Sommerspross, warum es keine Pommes zum Frühstück gibt... Papa ist halt doch cooler als Mama.
Montag, 16. Januar 2017
Superwoman
Immer wieder laufen sie einem über den Weg: Diese scheinbar perfekten Mütter. Spielerisch meistern sie den Alltag zwischen Kind(ern) erziehen und Haushalt, Ehemann beglücken, kochen, putzen und Kaffeetrinken. Dazu sind sie topgestylt, frisiert, geduscht und grinsen dich mit einem Colgate-Lächeln an. Pünktlich steht das Essen auf dem Tisch, und wenn wir diese Vorzeigemuttis besuchen, liegt kein Spielzeug auf dem Boden herum, die Kinder haben perfekte Manieren und matschen ihr Essen nicht. Natürlich schläft der Nachwuchs durch (es ist ja auch das Wichtigste auf der Welt, sollte man meinen). Die Figur aus der Zeit vor der Schwangeschaft ist längst zurück, und diese Supermuttis sehen sogar noch besser aus als vorher. Und dann gibt es noch uns, die Normalos. Mit etwas Glück schaffe ich es morgens, meine Haare zu kämmen und vorher sogar zu duschen. Frisur danach? Muddistyle: irgendwie zusammengeknuddelt mit einem ausgeleierten Haarband. Passt! Reicht wieder bis zum nächsten Besuch im Bad. Dann folgt der ultimative Kampf mit der Zahnbürste. Nein, ich kann meine Zähne putzen. Es geht um den Sommerspross. Manchmal putzt er voller Begeisterung, dann ist es wieder der Kampf David gegen Goliath. Und ich sage euch: der kleine Mann hat eine enorme Kraft, wenn er nicht will. Irgendwie schaffen wir es dann doch, die kleinen spitzen Beißerchen ansatzweise zu putzen. Wenn ich dann einige Zeit später auf andere Freundinnen treffe, sprechen die mich meistens noch auf die Zahnpastakrümel auf meinem Shirt an. Na gut, immerhin habe ich den Mund vom Sommerspross noch mit einem Waschlappen gesäubert und er sieht top aus. Oh, oder doch nicht? Auf seinem Pulli klebt noch eine Spur Hirsekringel mit Brezelmatsch. Ja, das war sein Frühstück. Etwas anderes wollte er nicht. Ach, und dein Vorzeigekind hat anstandslos den Hirse-Früchte-Brei mit Goji-Beeren gegessen? Schön! Nachmittags bekommen wir Besuch.Achtung! Entweder stolpert man an der Haustür über unsere kleine, etwas tapsige Katze oder über einen Spielzeugbagger oder ein Auto oder einen Hausschuh oder über eine leere Flasche, die der Sommerspross voller Freude aus dem ersten Stock über die Absperrung runtergeschmissen hat. Das kracht nämlich so schön! Findet er. Ich weniger, aber wir Normalomuddis werden ja nicht gefragt. Bei der folgenden Kaba-Waffel-Schlacht sind alle anwesenden Kinder der Normalomuddis anschließend badewannenreif. Die Kabaflecken zieren nicht nur die Shirts, Hosen und natürlich die niedlichen kleinen Kinderschnuten. Auch unser Parkettboden (Perlen vor die Säue, glaubt mir) wollte etwas von dem leckeren Kaba haben. Rund um den Tisch sind nämlich kleine Flecken. Abwechselnd hauen sich die anwesenden Kinder irgendwas gegenseitig an den Kopf, schubsen sich vom BobbyCar ("Ich jetzt!"), zwicken sich, weil der Bagger jetzt unbedingt in den Besitz des anderen Kindes übergehen muss, brüllen, heulen und stampfen mit den Füßen auf, weil die Turnstunde über das Sofa heute wieder nicht stattfinden darf. Auch ein, zwei perfekte Kinder sind da. In schneeweißen Shirts und Bügelfaltenhosen sitzen sie am Tisch, krümeln nicht, kleckern nicht und ihre Muddis machen begeistert Fotos. Das sind dann solche, die in sozialen Netzwerken hochgeladen werden: "Schaut mal, wie perfekt mein Kind ist." Währenddessen fragen sich eine Freundin und ich, wann wir eigentlich das letzte Mal beim Friseur waren. Der Ansatz ist schon etwas herausgewachsen und die Spitzen schreien förmlich nach einer Schere. Zeit für einen Friseurbesuch? Nein. Sind irgendwann alle wieder weg und die Bude ruhig, ist der Sommerspross fix und fertig. Aber überglücklich, in einem nicht-perfekten Haus mit Strubbelmama und Chaosfreunden aufwachsen zu dürfen. Wer braucht auch schon Muddis, die in High-Heels und akurater Hochsteckfrisur das Essen servieren, wenn ordinäre Nudeln mit Soße oder Pommes mit Ketchup Kinderaugen leuchten lassen...
Freitag, 30. Dezember 2016
HoHoHo
Gefühlt eine Tonne Geschenkpapier, eine aufgrund der vielen Lichter eine explodierte Stromrechnung, vollgefressene Bäuche und klingelnde Ohren aufgrund der Glöckchen - das ist so eine Erfahrung des diesjährigen Weihnachtsfestes. Also prinzipiell nicht viel anders als in den vergangenen Jahren. Sicher? Nein! Auch wenn der Sommerspross bereits sein zweites Weihnachtsfest mit uns gefeiert hat - an das vom letzten Jahr wird er kaum Erinnerungen haben. Dieses Jahr hat er mitgefiebert. Jeden Tag haben wir ein Türchen im Adventskalender gemeinsam geöffnet, die darin enthaltenen kleinen Autos voller Begeisterung ausgepackt, die "Kaggaaaaaaa"-Rufe mit einem Grinsen aufgenommen und uns auf den nächsten Tag und das nächste kleine Auto gefreut. Die übrigens ich auspacken musste, während sich der Sommerspross strahlend in meinen Schoß kuschelte.Bis zum Heiligen Abend hatte er längst kapiert, dass sich in kleinen, lustig eingepackten Päckchen tolle Sachen verbergen. Als dann am 24. Dezember ein weißbärtiger Mann in einem roten Mantel und einer tiefen Stimme auftauchte und kleine Pakate aus seinem Kartoffelsack zog, hatte der Sommerspross nur noch Augen für den die Päckchen. Der seltsame Mann wurde zwar schief angeschaut, die vielen lustigen Pakete erschienen bald wichtiger. Zum Vorschein kamen unter anderem ein Feuerwehrauto, natürlich ein Bagger (Kaggaaaaaaaaa!!!) und eine Kugelbahn. Letztere bauten der Göttergatte und ich in der Nacht noch auf. Dabei stritten wir uns herrlich, wer nun was aufbauen darf, wer die erste Kugel die Bahn hinunterlaufen lassen darf und wie man die Kugelbahn nun am besten aufbaut. Man muss ja alles testen. Von der Säge schien der Sommerspross des Nachts zu träumen, denn als er morgens aufwachte, sagte er voller Begeisterung "ssssssssss" und machte dazu eine Sägebewegung. Also nix wie los, aufstehen und möglichst noch im Schlafanzug ins Wohnzimmer. Uhrzeit? Egal, es wird gespielt. Mama und Papa können sich ja am Kaffee festhalten. Nach drei Tagen Weihnachten war es dann aber auch wieder genug. Endlose Völlerei, weitere Päckchen, Verwandtschaftsbesuche und - dem Protest meines Göttergatten sei Dank - keine seltsamen Lieder vor dem Essen. Ab und zu wurde auch der Weihnachtsbaum vom Sommerspross umdekoriert. Soll heißen: Kugeln abhängen, Pferdchen an einen anderen Zweig (versuchen zu) hängen und immer wieder voller Begeisterung vor der Lichterkette stehen und "Kerze" rufen. Schön war es, aber zum Glück ist Weihnachten nur einmal im Jahr...
Dienstag, 20. Dezember 2016
Der Kaggaaaa-Infekt
Es ist passiert. Wir haben " Kaggaaaaa". Aufgetreten sind die ersten Symptome, als im Oktober unser Garten angelegt wurde. Seitdem befinden wir uns in einer kontinuierlichen Steigerung der Symptome. Die äußern sich vor allem bei kleinen Jungen, aber auch Mädchen sind nicht vor dieser Art von Infektion gefeit. Wovon ich spreche? Vom Bagger-Virus. Drei Wochen lang klebte der Sommerspross jeden Tag am kleinen Fenster hinter dem Küchentisch, balancierte auf dem Fensterbrett (jaaaa, bei geschlossenem Fenster), klammerte sich an den Fenstergriff und beobachtete, wie der "Kaggaaaaaa" bei uns im Garten wütete. Er wachte morgens auf, hörte von draußen das Knirschen, Rumpeln und Brummen des Baggers und es gab kein Halten mehr. Schon mal probiert, ein Kind anzuziehen oder gar die Windel zu wechseln, wenn es "Kaggaaaaaa" gucken möchte? Eben, dann versteht ihr ja meine Schweißausbrüche. Jedenfalls - eines schönen Samstags war unser Garten fertig und der Bagger rollte von dannen. Vergessen ist er natürlich nicht. Immer wieder klettert der Sommerspross auf die Küchenbank, zieht sich am Fenstergriff hoch und schaut in den Garten. Auf der Suche nach dem Bagger! Seine kleine Bibliothek hat sich neben Bobo Siebenschläfer und Apfel, Keks und Kuschelhase um einige Fachbücher erweitert, die für Einjährige unerlässlich sind: Meine ersten großen Fahrzeuge, Mein erstes Fahrzeugebuch, Fahrzeuge,... ja, man kann sagen, wir haben eine kleine Fachbibliothek für Einjährige mit Schwerpunkt Automobilindustrie. Dann die großen Wimmelbücher - stundenlang sitzen wir da, wälzen die Bücher und fachsimpeln über die Fahrzeuge. "Kaggaaaa" natürlich, "Dakto" und "Kraaaaaa" - die Begeisterung ist ungebrochen. Die Worte funktionieren in jede Tonlage und je nach Ekstase und Begeisterung übeschlägt sich sogar die Stimme. Traut man sich, mit dem autoverrückten Sommerspross einen Spaziergang zu machen, empfiehlt es sich, die benachbarten Baustellen aufzusuchen. Sollte zufällig noch ein Café in der Nähe sein, wird der Sommerspross in den Hochstuhl gesetzt, guckt mindestens eine halbe Stunde "Kaggaaaaa" und die Mama kann in der Zeit sogar entspannt einen Kaffee trinken. Der Kaggaaaaa-Virus wird mir immer sympathischer! Die Großbaustelle in Heilbronn ist ebenfalls toll. Für Autofahrer vielleicht weniger, aber für Kinder? Ein Traum! Wenn uns mal langweilig ist, fahren wir einfach nur die Baustelle für die Bundesgartenschau 2019 hoch und runter - das Kind ist begeistert. Kaggaaaa ist aber auch noch ein Synonym für unseren Staubsauger. Aus verständlichen Gründen (jeder, der ein Kleinkind hat, weiß, was ich meine) wohnt der Staubsaugerroboter mittlerweile auf dem Klo. Sollte ich tagsüber mal ein dringendes Bedürfnis haben, rennt mir der Sommerspross in affenartiger Geschwindigkeit hinterher und brüllt "Kaggaaaaaa". Wild gestikulierend zeigt er auf den Staubsauger und bedeutet mir, das der jetzt bitte saugen soll. Auf Diskussionen wie "Wir haben heute morgen gesaugt" geht er nicht ein. Bestimmt liegen irgendwo wieder Krümel rum, man weiß es nicht. Der Kaggaaaaa muss jetzt fahren. Sofort! Sonst gibt es einen Schreikrampf. Alternativ lenke ich den Sommerspross mit einem Buch ab. Das große Baggerfahrerbuch oder so ähnlich. Ab und zu, wenn ich abends Ausgang habe, komme ich nach Hause und höre von unten schon das vertraute Brummen. Oben wetzt dann der Sommerspross dem Kaggaaaaa hinterher, während ein grinsender Göttergatte sehnlichst darauf wartet, dass ich die nächste Baggerschicht übernehme. Kaggaaaaaaaaaaaaa!
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