Vorsorge, Ultraschall, Geburtsvorbereitungskurse, Hebammensuche und ein angepasstes Leben mit scheinbar notwendigen Tests. Wer glaubt, dass Kinderkriegen in der Moderne so einfach ist, könnte auf ungeahnte Schwierigkeiten stoßen...
Mittwoch, 24. Februar 2016
Wir haben Blähungen
Als sich unser Besuch irgendwann verabschiedet, klopfen wir uns gegenseitig auf die Schulter. Bei uns dreht sich nämlich nicht alles ums Kind. Wir haben auch andere Gesprächsthemen... Ganz sicher!
Montag, 15. Februar 2016
Ein Babypuzzle
Liebe Mama, lieber Papa, liebe Verwandte, liebe Freunde von Mama und Papa,
Ich freue mich wirklich, dass ihr so viel für mich tut. Und dass ihr mich genauso glücklich macht wie ich euch. Ein bisschen was muss ich euch aber auf den Weg geben. Es ist wirklich hochspannend zu hören, wie ich aussehe. Oder wie ich mich verändere. Ich gebe zu, ich verändere mich noch viel. Als ich auf die Welt kam, hatte ich wirklich viel Ähnlichkeit mit einem zerknüllten Stück Papier. Aber natürlich, die Hautfarbe, die kam von Papas Seite. Nämlich etwas dunkel. Meiner Meinung nach war das nur Schmutz. Schließlich wurde ich zwar gezeugt, aber neun Monate lang nicht gebadet. Ihr wascht euch doch täglich, oder? Da kann es doch gut sein, dass sich unter meinem Teint doch Mamas vornehme Blässe verbirgt, wenn ich nach langem Warten endlich in die Wanne darf. Von Mama habe ich angeblich auch das Kinn und die Nase. Ja, was hat sie dann an den Stellen? Löcher? Seltsam. Ich finde, Mama sieht noch ganz normal aus. Und ganz klar, die Augenpartie war mal die von Opa. Aber der ist doch so viel älter als ich. Ich bin doch noch so klein. Und nicht faltig? Oder doch? Meine Augen habe ich mal von der Uroma, mal von Mamas Bruder, mal von Papas Bruder. Einigt euch mal bitte auf etwas. Wahrscheinlich bin ich ein einziges großes Puzzle. Papas Augenpartie, Mamas dicke Schenkel (die hatte sie als Baby auch. Meine Oma befürchtete daher, Mama kriegt nie einen Mann. Pustekuchen!)... so gehen die Vergleiche weiter. Wahrscheinlich habe ich Tante Ernas Augenbrauen, Onkel Kurts Wimpern, den Bierbauch vom entfernten Schwippschwager der Cousine eines angeheirateten Onkels, die Ohren von Dumbo und den Humor von meiner Uroma aus Norddeutschland. Also so eine Art 1000-Teile-Puzzle, bei dem etwas fehlt. Nämlich das Quentchen "Ich bin ich".
Es grüßt euch ganz lieb,
Euer Kind
Montag, 8. Februar 2016
Popcornabend
Samstag, 30. Januar 2016
Das genormte Kind
Donnerstag, 28. Januar 2016
Daddy allein zu Hause
Dann... stundenlang keine Meldung. Schreckensszenarien huschen durch meinen Kopf. Das Haus ist eingestürzt, der Windeleimer explodiert (Gefahrguttransport). Ich frage nach und werde informiert: Kind spielt. Hat es Valium bekommen? Nein, Vater und Sohn haben sich nur gegen mich verschworen. Woran ich merke, dass es doch mein Kind ist und nicht beim Tauschbasar gelandet ist: Es spuckt die Milch im hohen Bogen so, dass nicht nur Kind, sondern auch Papa sich komplett umziehen müssen. Ich bin beruhigt. Es ist also alles normal, Söhnchen hat sich nur vorgenommen, in sonstiger Hinsicht perfekt zu sein. Als ich gegen kurz vor Mitternacht die Haustüre öffne, ist alles ruhig. Nur der Fernseher ist leise zu vernehmen. Die Frage aller Fragen: liegen sie gemeinsam auf der Couch und gucken Sportnachrichten? Nein, Papa guckt alleine. "Er schläft", informiert er mich. Wahrscheinlich seit Stunden, grummele ich in mich hinein. Auf jeden Fall ganz brav und lieb. Ich bin echt von den Socken. Doch irgendwann, endlich, kommt es mir: Sohnemann ist schlau! Je lieber er beim Papa ist, desto öfter kann ich wieder alleine weg. Mein Ticket in einen freien Abend.
Mittwoch, 20. Januar 2016
Erlebnisbericht eines Sommersprosses Teil II
Nachts sollte ich ins Bett. Ha, Pustekuchen. Ich wollte dabei sein. Die mampften die ganze Zeit!!!!!! Obwohl es doch grad erst Abendessen gegeben hatte. Reichte das nicht? Jedenfalls, ich wollte dabei sein. Kaum brachte mich Mama oder Tante ins Bett, fing ich an zu zetern. Hihihihi, irgendwann gaben sie auf - und ich durfte bei Schwarzwurst und Zwiebelsalat, Wein und Bier; Pralinen, Brot und Käse auf Mamas Arm schlafen. Fröhlich ging es nachts zu - und wurde immer fröhlicher. Das will ich auch mal! Sonntag nahm Mama mich mit in den Gottesdienst. Auf dem Boden sollte ich auf einer Decke spielen. Von wegen. Ich war nach einer langen Nacht müde und wollte schlafen. Auf dem Arm natürlich. Dazu ein bisschen Krach von den glitzernden Dingern und schöner Gesang- so lässt es sich aushalten.
Übrigens habe ich ebenfalls leckere Sachen bekommen: Schupfnudel und Lyoner, das war ein Gematsche. Es ist sonst ja wirklich eine Frechheit, alle haben volle Teller und mir bietet man nur Mamamilch an. Nix da, gleiches Recht für alle. Und irgendwann möchte ich mit den glitzernden Dingern spielen. Die klingen bestimmt prima, wenn ich sie auf den Boden haue.
Freitag, 15. Januar 2016
Das schmatzende Taufgespenst
Ob man jetzt taufen lässt oder nicht, ist egal. Mir ist ganz klar: meinem Sohn hat es gefallen. Um nicht zu sagen, er war völlig hin und weg von seiner Taufe. Kindliche Freude zeigte sich von Anfang bis Ende in seinem Gesicht. So mal aus seiner Perspektive betrachtet, ist das auch nur zu verständlich. Er bekam das flotte Familientaufkleid an (ok, in einigen Jahren wird er seine Eltern dafür verklagen) und sah damit aus wie Hui-Buuh, das Schlossgespenst. Wer darf denn schon von sich behaupten, mal in einer Kirche gespukt (nicht gespuckt) zu haben? Geflogen ist er leider nicht. Dann der Sitzplatz. Erste Reihe natürlich, auf Mamas Arm muss man ja fast nicht erwähnen. So hatte er die beste Sicht. Na gut, wenn er nicht gerade versuchte, das Gesangbuch oder das Liedblatt anzukna... Schnaaarch.... oh, das war wohl sehr gemütlich. Plötzlich wurde ihm Wasser über den Kopf geleert. Unverschämtheit! Seine Cousine und sein Cousin waren sich bei der Frage des Pfarrers auch nicht ganz einig. "Es ist ein bisschen kalt", fand sein Cousin. "Das ist warm", freute sich die Hochpieps, Tiefpieps und Hochpieps-Cousine. Wie dem auch sei: ein kurzer Schrei, als der Pfarrer das Wasser über den Kopf des Täuflings kippte. Und schnell wieder schnaaaaaaaaarch. Vor allem während der Predigt schlummerte Söhnchen tief und fest. Naja. Bis zur Hälfte. Dann kam der Hunger. Schnell! Jetzt! Aber wohin? Auf die Empore. Dort ging es flugs an die Milchbar - wie groß der Hunger war, konnten alle Kirchgänger hören. Denn wenn es schmeckt, wird geschmatzt... Das Bäuerchen kam zum Glück nur leise während des Gebets. Ganz großes Kino war das anschließende Fotoshooting: die Taufkerze flimmert und flackert und leuchtet. Herrlich, der Gesichtsausdruck (offener Mund und staunende Augen), dazu Hände, die nach der Kerze greifen wollen... ein Moment für die Ewigkeit. Dazu ein Stück Brezel in der Hand - leider hat sich der Täufling kein Beispiel an seiner Tante genommen. Sie hatte vor knapp 30 Jahren einen Autoschlüssel in der Hand - den sie voller Elan ins Taufbecken pfefferte. Mit einer Brezel wäre der Spaß noch größer gewesen. Aber es war ein braver Täufling.
Tolle Überraschungen folgten am Nachmittag. Geschenkpapier. Bänder. Wie das doch alles raschelt und knistert - kann nicht jeden Tag Taufe sein? Die ganze Zeit wurde der Täufling rumgetragen, hach, wie schön! Neues Spielzeug dazu zum ansabbern. Taufe ist einfach toll, dachte sich Söhnchen.