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Mittwoch, 24. Februar 2016

Wir haben Blähungen

Sind wir Eltern doch mal ehrlich, es dreht sich alles nur noch ums Kind. Am abendlichen Tisch wird darüber geredet, wie voll die Windel war, wie gut der Nachwuchs tagsüber geschlafen hat oder ob er oder sie ein anderes Kind geärgert hat. Kommen kinderlose Paare zu Besuch, kann das für diese schnell in Kinderstress ausarten. Es ist ja nicht nur so, dass es beispielsweise bei unserem Kind mit dem Brei nicht funktioniert hat und wir dieses Thema einfach unter den Tisch haben fallen lassen. Das Kind möchte aber trotzdem vom Tisch mitnaschen, nur Stillen alleine ist dem Spross dann doch zu langweilig. Also wird mit ganz viel Hingabe eine Brezel zermatscht oder jegliches Gemüse in seine Bestandteile zerlegt. Bei Karottenscheiben stellt der Junior dann fest, wie witzig es ist, wenn man diese einfach schnell in den Mund hinein- und wieder herausflutschen lässt. Das sieht drollig aus, macht aber nicht satt. Zurück zum Abendbrottisch. Eine Flasche Wein wird geöffnet und man unterhält sich mit dem Besuch über alles mögliche. Politik zum Beispiel. Dann spontaner Themawechsel - denn das Baby möchte bespaßt werden. Ausgerüstet mit Rassel oder Klingelball wird den Aufforderungen Folge geleistet und erzählt, dass der Nachwuchs fast schon Schlagzeug mit seinem Spielzeug spielen kann. Aber wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, Politik. Oder doch in längst vergangenen Zeiten. Weißt du noch, damals auf dem Festival? Ups, das Kind hat eine volle Windel. Ja, es sind einige Pampers, die pro Tag draufgehen. Was die Windeln momentan so kosten? Teuer ist es, sehr teuer. Wir nehmen nur eine bestimmte Marke. Da fällt mir ein, weißt du noch, damals bei Rock am Ring? Oh ja, das waren lustige Zeiten als wir so bei Wind und Wetter gezeltet haben. Ach, der Papa ist mit dem frisch gewickelten Kind zurück. Voll bis obenhin sagt, sein Blick. Unser Besuch guckt etwas pikiert. Ja, das ging hoch bis zum Nacken, führt der Papa die Sache weiter aus. Aber wir wollen uns ja nicht weiter über Windelinhalte unterhalten. Der Nachwuchs ist zufrieden und spielt mit seinem Holzauto. Ob er immer so friedlich ist, möchte unser Besuch wissen. Natürlich, geben wir mit den Fähigkeiten unseres Sohnes an. Wobei die ersten Wochen doch sehr hart waren. Wir hatten Blähungen, berichten wir. Wir?Oh, Entschuldigung, als stolze Eltern vergisst man manchmal, dass man doch auch ein einzelnes Individuum ist. Und schon sind wir wieder bei den Windelinhalten, bei Pampersgrößen und wie soll es denn anders sein - beim Kind. Der nächste Versuch eines Themawechsels gelingt - wir diskutieren über aktuelle Kinofilme. Ja, ins Kino möchten wir auch mal wieder. Aber wir brauchen ja immer einen Babysitter. Oh, schon wieder Themawechsel. Wer denn so alles bei uns babysittet? Die und die und die, zählen wir auf. Jetzt endlich klappt es mit dem Themawechsel. Wir beginnen über einstige Pärchen, frühere Freunde und und und herzuziehen. Fröhliches Geläster ist die Folge. Seitdem die Nachwuchs haben, kennen die nur noch ein Thema, beklagen wir uns. Nämlich das eigene Kind. Früher konnte man einen schönen Abend miteinander verbringen und auch über andere Themen diskutieren. Jetzt dreht sich alles ums Baby, beklagt sich mein Mann. Zum Glück ist das bei uns nicht so, pflichte ich ihm bei und versuche gleichzeitig, dem Sprössling die abendliche Portion Milchbar zu verabreichen. Dann geht unser ganzer Stolz nämlich ins Bett. Und wir Erwachsenen sind endlich unter uns. Endlich? Nach zehn Minuten geht das Babyphon los. Ob das immer so ist, möchte unser Besuch wissen. Ja, manchmal, geben wir zu. Aber sonst ist es ein ganz tolles Kind. Es kann nämlich schon dies und das und überhaupt.
Als sich unser Besuch irgendwann verabschiedet, klopfen wir uns gegenseitig auf die Schulter. Bei uns dreht sich nämlich nicht alles ums Kind. Wir haben auch andere Gesprächsthemen... Ganz sicher!

Montag, 15. Februar 2016

Ein Babypuzzle

Liebe Mama, lieber Papa, liebe Verwandte, liebe Freunde von Mama und Papa,
Ich freue mich wirklich, dass ihr so viel für mich tut. Und dass ihr mich genauso glücklich macht wie ich euch. Ein bisschen was muss ich euch aber auf den Weg geben. Es ist wirklich hochspannend zu hören, wie ich aussehe. Oder wie ich mich verändere. Ich gebe zu, ich verändere mich noch viel. Als ich auf die Welt kam, hatte ich wirklich viel Ähnlichkeit mit einem zerknüllten Stück Papier. Aber natürlich, die Hautfarbe, die kam von Papas Seite. Nämlich etwas dunkel. Meiner Meinung nach war das nur Schmutz. Schließlich wurde ich zwar gezeugt, aber neun Monate lang nicht gebadet. Ihr wascht euch doch täglich, oder? Da kann es doch gut sein, dass sich unter meinem Teint doch Mamas vornehme Blässe verbirgt, wenn ich nach langem Warten endlich in die Wanne darf. Von Mama habe ich angeblich auch das Kinn und die Nase. Ja, was hat sie dann an den Stellen? Löcher? Seltsam. Ich finde, Mama sieht noch ganz normal aus. Und ganz klar, die Augenpartie war mal die von Opa. Aber der ist doch so viel älter als ich. Ich bin doch noch so klein. Und nicht faltig? Oder doch? Meine Augen habe ich mal von der Uroma, mal von Mamas Bruder, mal von Papas Bruder. Einigt euch mal bitte auf etwas. Wahrscheinlich bin ich ein einziges großes Puzzle. Papas Augenpartie, Mamas dicke Schenkel (die hatte sie als Baby auch. Meine Oma befürchtete daher, Mama kriegt nie einen Mann. Pustekuchen!)... so gehen die Vergleiche weiter. Wahrscheinlich habe ich Tante Ernas Augenbrauen, Onkel Kurts Wimpern, den Bierbauch vom entfernten Schwippschwager der Cousine eines angeheirateten Onkels, die Ohren von Dumbo und den Humor von meiner Uroma aus Norddeutschland. Also so eine Art 1000-Teile-Puzzle, bei dem etwas fehlt. Nämlich das Quentchen "Ich bin ich".
Es grüßt euch ganz lieb,
Euer Kind

Montag, 8. Februar 2016

Popcornabend

Ich habe große Lust auf Popcorn. Mal wieder einen richtig tollen Frauenabend, mit Popcorn, Cola und jede Menge anderen Süßkram. Ich bereite sorgfältig alles vor, mache salziges und süßes Popcorn, stelle die Cola kalt und fülle Gummibärchen und Chips in kleine Schälchen. Dann kann es endlich losgehen. Ich klappe den Laptop auf und besuche eine Internetseite. Hier kann der Spaß beginnen. Die gesuchte Seite öffnet sich, irgendwas mit Muddis. Es ist ein Forum. Genüsslich greife ich ins Popcorn und verfasse den ersten Eintrag: "Mein Kind möchte alle zwei Stunden an die Brust. Reicht meine Milch nicht aus." Mit einem Grinsen lehne ich mich zurück. Die Antworten lassen nicht lange auf sich warten. Muddi 1 schreibt, dass ich unbedingt zufüttern soll. Sie empfiehlt die und die Flaschennahrung. Denn es könne durchaus sein, dass ich nicht genug Milch habe. Deshalb braucht mein Kind auf jeden Fall die Flasche. Muddi 2 lässt nicht lange auf sich warten. Man hat immer genug Milch, es gibt nur Kinder, die öfter gestillt werden müssen. Ich sehe, die Sache läuft und schicke mal ein "Soll ich nicht lieber abstillen?" hinterher. Jetzt endlich beginnt auch der Shitstorm. "Ich weiß, dass mein Baby satt wird und die Nachfrage bestimmt das Angebot. Stillen ist die beste Gesundheitsvorsorge, die man seinen Kindern mit auf den Weg geben kann." Jetzt mischt sich Muddi 3 ein. "Mir ist das zu stressig, ich habe mir im Krankenhaus gleich eine Tablette zum Abstillen geben lassen." Muddi 2 geht prompt an die Decke. Muddi 3 ist eine Rabenmutter, sie verweigere ihrem Kind das natürlichste, was es gibt. Ich mache mir ein alkoholfreies Hefeweizen auf und greife in die Schale mit Gummibärchen. "Stimmt es, dass zu lang gestillte Babys zu anhänglich und verwöhnt sind?", werfe ich in die Diskussionsrunde. Muddi 3 schreibt sofort, dass man dem Kind früh seine Grenzen aufzeigen muss. Sonst verweichlicht es. Oh, ich sehe, die Sache nimmt ihren Lauf. Stillmafia, unsensible Mutter - die Beschimpfungen im Forum nehmen zu. Popcorn gefällig? Gleichzeitig stelle ich in einem anderen Forum die Frage, gegen was man eigentlich alles impfen soll. Im Stillstreit nimmt die Sache Fahrt auf. Den kriegst du nie von der Brust, wird Muddi 2 vorgeworfen. Ob er denn wenigstens alleine schlafe? Nein, im Familienbett natürlich. Das sei herrlich und für alle sehr entspannt. "Dein Kind verweichlicht!", kommt der nächste Vorwurf. Oh, Gummibärchen alle, ich steige um auf Chips. Ja, so ein Abend mit Frauen ist durchaus kalorienintensiv. Was machen eigentlich die Impfungen? Muddi A beschreibt, dass sie gehört hat, dass das Kind der Cousine eines entfernten Verwandten ihres Halbbruders Schäden davon getragen habe. Oh, was denn für welche? Sie weiß es nicht genau. Ich empfehle ihr, doch mal nachzuprüfen, ob das Kind vielleicht voll oder nicht oder sonstiges gestillt wurde. Und zack, habe ich die beiden Diskussionsbeiträge auf einen Nenner gebracht. Impfgegner schießen gegen Befürworter, Stillmuddis fühlen sich von Flaschenmuddis auf den Schlips getreten. Knurps, der letzte Chipskrümel ist weg. Noch ein alkoholfreies Bierchen zum Nachspülen? An euch Flaschenmuddis wurde bei der Beratung versagt, schreibt eine Muddi. "Wenn ihr nicht impft, verhaltet ihr euch fahrlässig!", poltert Muddi B. Oh, es wird unübersichtlich. Herrlich, wie in einem schlechten Actionfilm. Alle bekriegen sich und zum Schluss bekommt doch der Held die Frau. Ach nee, falsches Thema. Ich lehne mich wieder zurück und genieße mein Bierchen. Im Forum wird mit harten Bandagen gekämpft. Stillhütchen fliegen, Nuckis werden zurückgeworfen, eine ballert sogar mit Impfpässen. Ich gähne. Ein kurzer Blick auf die Uhr - Zeit fürs Bett. Noch ein letztes Stück Schokolade und dann husch ins Familienbett. Morgen frage ich danach, wann ich meiner Tochter Ohrringe stechen soll. Oder ob eine kleine Tätowierung besser ist...

Samstag, 30. Januar 2016

Das genormte Kind

Uuuuuuuuuund? Dreht er sich schon? Kann er eigentlich schon was sagen? Läuft er schon? - Oh, all diese vielen Fragen. Natürlich, laut Statistik dreht sich ein Kind mit soundsovielen Monaten, zwischendurch kommt der erste Zahn und so geht es Schritt für Schritt. Ein Hoch auf unsere Menschheit, dass wir uns alle gleich entwickeln, gleich groß sind und die gleichen Fähigkeiten haben. Ach, doch nicht? Trotzdem fragt ein Kinderarzt bei den Untersuchungen alles mögliche ab. Vierfüßlerstand, erste Versuche zu krabbeln? Ja wie,Ihr Kind kann das nicht? Aber es sitzt? Nein, das darf es nicht. Es stellt sich die Frage, ob man das eigene Kind einfach brüllen lässt, wenn es auf dem Rücken liegt, aber sitzen möchte. Ach ja, tschuldige, ich vergaß. Ein Kind schreien zu lassen, stärkt dessen Lungen. Wurde mir vor einigen Wochen tatsächlich gesagt...
So, aber wie war das nun mit der Entwicklung? Mir fällt da spontan ein Beispiel von zwei Jungen ein. Sie sind nur zwei Tage auseinander. Geht man nach der Meinung diverser Quacksalber müssten sie jetzt also dieselben Fähigkeiten haben. Kind 1 dreht und kugelt sich fröhlich durch die Welt. Kind 2 sitzt derweil gemütlich auf der Spieldecke und klappert mit dem Spielzeug. Gerne zieht es sich hoch und will auch mal stehen. Mit Hilfe natürlich. Drehen? Nur wenns unbedingt sein muss! Beispielsweise wenn der Teddy, Ball oder sonst was nicht anders zu erreichen ist. Noch ein Unterschied: ein Kind liebt Brei, das andere matscht lieber das Essen von Mama und Papa. Beide Kinder sind fröhlich, gesund und werden wunderbare Rabauken. Jetzt, liebe Mediziner, läuft da was falsch? Oh, ich vergaß zu erwähnen, dass ein Kind noch nicht abgestillt ist. Und noch schlimmer: es wird nach Bedarf gestillt. Ja, ich weiß, dann trifft angeblich neue Milch auf alte Milch. Das gibt Bauchweh. Diese Auffassung wird wahrhaftig noch von manchen Menschen vertreten. Deshalb solle man immer Abstände von vier Stunden einhalten. Außerdem brauche eine Mutter ja zwischendurch Ruhe. Und wenn das Kind weint? Ach ja, im Märchenwald rund im Babys ist mir glatt entgangen, dass die Lungen unbedingt gestärkt werden müssen. Ich könnte mir vorstellen, dass Atemübungen oder ein Urlaub an der See da kinderfreundlicher sind. Ich wäre gerne bereit, das nachzuweisen. 
Zurück zu den Entwicklungen von Kindern. Ein Freund erzählte mir kürzlich, dass seine Tochter rückwärts auf einem Bein hopsen konnte, aber mehr als Mama sagen zunächst als ein Ding der Unmöglichkeit erschien. Der gleichaltrige Freund hingegen mutete als früher Rhetoriker an, lag aber nur faul auf dem Rücken und bewegte sich nicht. Seltsamerweise hat sie mittlerweile sogar Abi gemacht, er ist ein sehr guter Schwimmer. Haben sich die Ärzte da vielleicht in ihren Statistiken geirrt? Kann man ein Kind doch nicht normen? Wir beobachten weiter. 

Donnerstag, 28. Januar 2016

Daddy allein zu Hause

Sechs Monate ist der Knopf jetzt schon alt. Den einen oder anderen Tag war ich Rabenmuddi schon ohne Kind weg, zumindest stundenweise. Oder mal einen ganzen Abend. Der stolze Papa hatte also jede Menge Möglichkeiten, sich im wickeln, füttern und in der MB (Maximalbespaßung) zu üben. Letzteres steht für Party auf dem Wickeltisch. Der Tag rückte näher, an dem Muddi von morgens um acht bis Mitternacht weg sein wollte. Es lockte ein Lehrgang mit Konzert. Kein Problem, sagte der Papa vorweg. Wir schaffen das. Ok, ein bisschen blass war er schon um die Nase. Horrorvorstellungen à la er schafft es nicht mal zu einem Kaffee (undenkbar), muss mit Kind aufs Klo (ich zähle ja die Momente ohne Kind auf dem stillen Örtchen), Sohnemann weint die ganze Zeit (und ich muss zurückfahren), er fängt doch an, vorzusingen (bislang hat sich der Papa ja standhaft geweigert, ebenfalls sämtliche Kinderlieder zu singen), gleichzeitig klingeln Briefträger, Paketdienst und Schornsteinfeger. Aber der Papa blieb tapfer und ich stieg morgens ins Auto. Der Tag war schließlich fest durchgetaktet. Nicht nur für mich, auch für Papa und Sohn. Um nicht zwischen Herd und Kind hin- und herzuhüpfen zu müssen, war das Mittagessen bei Oma und Opa organisiert. Inklusive Kaffeeklatsch. Trotzdem: ein bisschen bange war mir schon. Weint mein Kind? Hab ich den Windelbeutel bestückt? Schmeckt die olle Flasche? Bald erreicht mich die erste Nachricht: So, ordentlich eingesch*****. Und: Kind pennt. Fein! Ich stürzte mich voller Elan in die Generalprobe. Wieder eine Nachricht. Ich erwarte das Desaster. Aber nein, nur der liebenswerte Hinweis, dass es nur noch 13 Stunden und 40 Minuten seien, bis die Rabenmuddi wieder da ist. Mittags die nächste Info: Sind bei Oma und Opa. Dort schlief der Spross anstandslos in Omas Bett. Bitte was? Hinlegen und schlafen ohne Gezeter? Ich bin verblüfft.
Dann... stundenlang keine Meldung.  Schreckensszenarien huschen durch meinen Kopf. Das Haus ist eingestürzt, der Windeleimer explodiert (Gefahrguttransport). Ich frage nach und werde informiert: Kind spielt. Hat es Valium bekommen? Nein, Vater und Sohn haben sich nur gegen mich verschworen. Woran ich merke, dass es doch mein Kind ist und nicht beim Tauschbasar gelandet ist: Es spuckt die Milch im hohen Bogen so, dass nicht nur Kind, sondern auch Papa sich komplett umziehen müssen. Ich bin beruhigt. Es ist also alles normal, Söhnchen hat sich nur vorgenommen, in sonstiger Hinsicht perfekt zu sein. Als ich gegen kurz vor Mitternacht die Haustüre öffne, ist alles ruhig. Nur der Fernseher ist leise zu vernehmen. Die Frage aller Fragen: liegen sie gemeinsam auf der Couch und gucken Sportnachrichten? Nein, Papa guckt alleine. "Er schläft", informiert er mich. Wahrscheinlich seit Stunden, grummele ich in mich hinein. Auf jeden Fall ganz brav und lieb. Ich bin echt von den Socken. Doch irgendwann, endlich, kommt es mir: Sohnemann ist schlau! Je lieber er beim Papa ist, desto öfter kann ich wieder alleine weg. Mein Ticket in einen freien Abend.

Mittwoch, 20. Januar 2016

Erlebnisbericht eines Sommersprosses Teil II

Ja, hallo. Ich melde mich auch mal wieder zu Wort. Mein Leben ist ja ganz schön actionreich. Ständig werde ich ins Auto verfrachtet, es geht zu Oma, Opa, Onkel, Tante, Pony, Frühstück oder zu irgendwelchen anderen Kindern. Die haben meistens auch viiiieeeeeeel tolleres Spielzeug als ich. Das sabber ich sehr gerne an - muss schließlich wissen, wie das so schmeckt. Jedenfalls besser als mein Spielzeug. Liegt eventuell daran, dass da schon die Kinder von Mamas Freundinnen rumgelutscht haben. Ok, genug geschwafelt. Mama ist immer mit mir auf Achse. Letztes Wochenende hat sie aber den Vogel abgeschossen. Ins Auto hat nicht mal mehr ein Schlüppi von meiner Tante reingepasst. "Wir fahren auf den Forst", erklärte mir Mama. Dazu brauchte sie also einen Wäschekorb mit meinen Sachen, Kaffeemaschine, Käse, Kekse, Wein und eine große schwarze Tasche mit zwei seltsamen glitzernden Blechdingern drin. Weiß der Kuckuck, was das sollte. Doch irgendwann waren wir da - auf dem Chorleiterlehrgang. So nennt Mama den Forst nämlich auch. Was mir dort blühte, oh je! Ganz viele fremde Menschen! Und viel Musik. Seltsame Angewohnheiten haben die dort. Gefallen hat mir, dass vor und nach dem Essen immer gesungen wurde. Das klingt viel besser als wenn Mama alleine singt. Fröhlich habe ich auch immer mitgequiekt. Es hieß ja "Wenn möglich vierstimmig singen". Nun gut, hab ich eben noch eine fünfte Stimme dazu gesungen. Bis zum nächsten Jahr hör ich auch auf, wenn alle aufhören. Man muss mir ja auch sagen, dass das Lied zu Ende ist, wenn vorne niemand mehr fuchtelt. Apropos fuchteln. Das wird auf dem Forst ständig gemacht. Und dazu gibt es Radau aus den glitzernden Dingern, wie sie Mama auch hat. Sie sagt Trompete oder Flügelhorn dazu. Die anderen haben andere Bezeichnungen für ihre Radaumacher. Vor allem die, die so einen ausfahrbaren Zug haben, sind laut. Samstag war ein Gastreferent da. Der fuchtelte oder haute mit den Händen auf schwarze und weiße Tasten. Da kamen auch Töne heraus. Seltsam. Das glitzerte nicht.
Das Thema der Woche war übrigens Trost. Morgens redete immer einer oder eine darüber. Dann waren die anderen Teilnehmer still, hörten zu und manch einen habe ich auch dabei ertappt, wie er sich tiefer in den Stuhl kuschelte. Mein Fazit: Trost ist was feines. Das sagte ein Redner auch. Stillen bietet Trost. Ach nee, so an der Milchbar rumzuhängen ist ja auch eine feine Sache. Noch besser ist es, wenn immer jemand da ist, der mich in den Arm nimmt und tröstet. Zum Beispiel, wenn mir mal wieder jemand mein Spielzeug weggenommen hat.
Nachts sollte ich ins Bett. Ha, Pustekuchen. Ich wollte dabei sein. Die mampften die ganze Zeit!!!!!! Obwohl es doch grad erst Abendessen gegeben hatte. Reichte das nicht? Jedenfalls, ich wollte dabei sein. Kaum brachte mich Mama oder Tante ins Bett, fing ich an zu zetern. Hihihihi, irgendwann gaben sie auf - und ich durfte bei Schwarzwurst und Zwiebelsalat, Wein und Bier; Pralinen, Brot und Käse auf Mamas Arm schlafen. Fröhlich ging es nachts zu - und wurde immer fröhlicher. Das will ich auch mal! Sonntag nahm Mama mich mit in den Gottesdienst. Auf dem Boden sollte ich auf einer Decke spielen. Von wegen. Ich war nach einer langen Nacht müde und wollte schlafen. Auf dem Arm natürlich. Dazu ein bisschen Krach von den glitzernden Dingern und schöner Gesang- so lässt es sich aushalten.
Übrigens habe ich ebenfalls leckere Sachen bekommen: Schupfnudel und Lyoner, das war ein Gematsche. Es ist sonst ja wirklich eine Frechheit, alle haben volle Teller und mir bietet man nur Mamamilch an. Nix da, gleiches Recht für alle. Und irgendwann möchte ich mit den glitzernden Dingern spielen. Die klingen bestimmt prima, wenn ich sie auf den Boden haue.

Freitag, 15. Januar 2016

Das schmatzende Taufgespenst

Ob man jetzt taufen lässt oder nicht, ist egal. Mir ist ganz klar: meinem Sohn hat es gefallen. Um nicht zu sagen, er war völlig hin und weg von seiner Taufe. Kindliche Freude zeigte sich von Anfang bis Ende in seinem Gesicht. So mal aus seiner Perspektive betrachtet, ist das auch nur zu verständlich. Er bekam das flotte Familientaufkleid an (ok, in einigen Jahren wird er seine Eltern dafür verklagen) und sah damit aus wie Hui-Buuh, das Schlossgespenst. Wer darf denn schon von sich behaupten, mal in einer Kirche gespukt (nicht gespuckt) zu haben? Geflogen ist er leider nicht.  Dann der Sitzplatz. Erste Reihe natürlich, auf Mamas Arm muss man ja fast nicht erwähnen. So hatte er die beste Sicht. Na gut, wenn er nicht gerade versuchte, das Gesangbuch oder das Liedblatt anzukna...  Schnaaarch.... oh, das war wohl sehr gemütlich. Plötzlich wurde ihm Wasser über den Kopf geleert. Unverschämtheit! Seine Cousine und sein Cousin waren sich bei der Frage des Pfarrers auch nicht ganz einig. "Es ist ein bisschen kalt", fand sein Cousin. "Das ist warm", freute sich die Hochpieps, Tiefpieps und Hochpieps-Cousine. Wie dem auch sei: ein kurzer Schrei, als der Pfarrer das Wasser über den Kopf des Täuflings kippte. Und schnell wieder schnaaaaaaaaarch. Vor allem während der Predigt schlummerte Söhnchen tief und fest. Naja. Bis zur Hälfte. Dann kam der Hunger. Schnell! Jetzt! Aber wohin? Auf die Empore. Dort ging es flugs an die Milchbar - wie groß der Hunger war, konnten alle Kirchgänger hören. Denn wenn es schmeckt, wird geschmatzt... Das Bäuerchen kam zum Glück nur leise während des Gebets. Ganz großes Kino war das anschließende Fotoshooting: die Taufkerze flimmert und flackert und leuchtet. Herrlich, der Gesichtsausdruck (offener Mund und staunende Augen), dazu Hände, die nach der Kerze greifen wollen... ein Moment für die Ewigkeit. Dazu ein Stück Brezel in der Hand - leider hat sich der Täufling kein Beispiel an seiner Tante genommen. Sie hatte vor knapp 30 Jahren einen Autoschlüssel in der Hand - den sie voller Elan ins Taufbecken pfefferte. Mit einer Brezel wäre der Spaß noch größer gewesen. Aber es war ein braver Täufling.
Tolle Überraschungen folgten am Nachmittag. Geschenkpapier. Bänder. Wie das doch alles raschelt und knistert - kann nicht jeden Tag Taufe sein? Die ganze Zeit wurde der Täufling rumgetragen, hach, wie schön! Neues Spielzeug dazu zum ansabbern. Taufe ist einfach toll, dachte sich Söhnchen.