Vorsorge, Ultraschall, Geburtsvorbereitungskurse, Hebammensuche und ein angepasstes Leben mit scheinbar notwendigen Tests. Wer glaubt, dass Kinderkriegen in der Moderne so einfach ist, könnte auf ungeahnte Schwierigkeiten stoßen...
Montag, 16. Januar 2017
Superwoman
Immer wieder laufen sie einem über den Weg: Diese scheinbar perfekten Mütter. Spielerisch meistern sie den Alltag zwischen Kind(ern) erziehen und Haushalt, Ehemann beglücken, kochen, putzen und Kaffeetrinken. Dazu sind sie topgestylt, frisiert, geduscht und grinsen dich mit einem Colgate-Lächeln an. Pünktlich steht das Essen auf dem Tisch, und wenn wir diese Vorzeigemuttis besuchen, liegt kein Spielzeug auf dem Boden herum, die Kinder haben perfekte Manieren und matschen ihr Essen nicht. Natürlich schläft der Nachwuchs durch (es ist ja auch das Wichtigste auf der Welt, sollte man meinen). Die Figur aus der Zeit vor der Schwangeschaft ist längst zurück, und diese Supermuttis sehen sogar noch besser aus als vorher. Und dann gibt es noch uns, die Normalos. Mit etwas Glück schaffe ich es morgens, meine Haare zu kämmen und vorher sogar zu duschen. Frisur danach? Muddistyle: irgendwie zusammengeknuddelt mit einem ausgeleierten Haarband. Passt! Reicht wieder bis zum nächsten Besuch im Bad. Dann folgt der ultimative Kampf mit der Zahnbürste. Nein, ich kann meine Zähne putzen. Es geht um den Sommerspross. Manchmal putzt er voller Begeisterung, dann ist es wieder der Kampf David gegen Goliath. Und ich sage euch: der kleine Mann hat eine enorme Kraft, wenn er nicht will. Irgendwie schaffen wir es dann doch, die kleinen spitzen Beißerchen ansatzweise zu putzen. Wenn ich dann einige Zeit später auf andere Freundinnen treffe, sprechen die mich meistens noch auf die Zahnpastakrümel auf meinem Shirt an. Na gut, immerhin habe ich den Mund vom Sommerspross noch mit einem Waschlappen gesäubert und er sieht top aus. Oh, oder doch nicht? Auf seinem Pulli klebt noch eine Spur Hirsekringel mit Brezelmatsch. Ja, das war sein Frühstück. Etwas anderes wollte er nicht. Ach, und dein Vorzeigekind hat anstandslos den Hirse-Früchte-Brei mit Goji-Beeren gegessen? Schön! Nachmittags bekommen wir Besuch.Achtung! Entweder stolpert man an der Haustür über unsere kleine, etwas tapsige Katze oder über einen Spielzeugbagger oder ein Auto oder einen Hausschuh oder über eine leere Flasche, die der Sommerspross voller Freude aus dem ersten Stock über die Absperrung runtergeschmissen hat. Das kracht nämlich so schön! Findet er. Ich weniger, aber wir Normalomuddis werden ja nicht gefragt. Bei der folgenden Kaba-Waffel-Schlacht sind alle anwesenden Kinder der Normalomuddis anschließend badewannenreif. Die Kabaflecken zieren nicht nur die Shirts, Hosen und natürlich die niedlichen kleinen Kinderschnuten. Auch unser Parkettboden (Perlen vor die Säue, glaubt mir) wollte etwas von dem leckeren Kaba haben. Rund um den Tisch sind nämlich kleine Flecken. Abwechselnd hauen sich die anwesenden Kinder irgendwas gegenseitig an den Kopf, schubsen sich vom BobbyCar ("Ich jetzt!"), zwicken sich, weil der Bagger jetzt unbedingt in den Besitz des anderen Kindes übergehen muss, brüllen, heulen und stampfen mit den Füßen auf, weil die Turnstunde über das Sofa heute wieder nicht stattfinden darf. Auch ein, zwei perfekte Kinder sind da. In schneeweißen Shirts und Bügelfaltenhosen sitzen sie am Tisch, krümeln nicht, kleckern nicht und ihre Muddis machen begeistert Fotos. Das sind dann solche, die in sozialen Netzwerken hochgeladen werden: "Schaut mal, wie perfekt mein Kind ist." Währenddessen fragen sich eine Freundin und ich, wann wir eigentlich das letzte Mal beim Friseur waren. Der Ansatz ist schon etwas herausgewachsen und die Spitzen schreien förmlich nach einer Schere. Zeit für einen Friseurbesuch? Nein. Sind irgendwann alle wieder weg und die Bude ruhig, ist der Sommerspross fix und fertig. Aber überglücklich, in einem nicht-perfekten Haus mit Strubbelmama und Chaosfreunden aufwachsen zu dürfen. Wer braucht auch schon Muddis, die in High-Heels und akurater Hochsteckfrisur das Essen servieren, wenn ordinäre Nudeln mit Soße oder Pommes mit Ketchup Kinderaugen leuchten lassen...
Freitag, 30. Dezember 2016
HoHoHo
Gefühlt eine Tonne Geschenkpapier, eine aufgrund der vielen Lichter eine explodierte Stromrechnung, vollgefressene Bäuche und klingelnde Ohren aufgrund der Glöckchen - das ist so eine Erfahrung des diesjährigen Weihnachtsfestes. Also prinzipiell nicht viel anders als in den vergangenen Jahren. Sicher? Nein! Auch wenn der Sommerspross bereits sein zweites Weihnachtsfest mit uns gefeiert hat - an das vom letzten Jahr wird er kaum Erinnerungen haben. Dieses Jahr hat er mitgefiebert. Jeden Tag haben wir ein Türchen im Adventskalender gemeinsam geöffnet, die darin enthaltenen kleinen Autos voller Begeisterung ausgepackt, die "Kaggaaaaaaa"-Rufe mit einem Grinsen aufgenommen und uns auf den nächsten Tag und das nächste kleine Auto gefreut. Die übrigens ich auspacken musste, während sich der Sommerspross strahlend in meinen Schoß kuschelte.Bis zum Heiligen Abend hatte er längst kapiert, dass sich in kleinen, lustig eingepackten Päckchen tolle Sachen verbergen. Als dann am 24. Dezember ein weißbärtiger Mann in einem roten Mantel und einer tiefen Stimme auftauchte und kleine Pakate aus seinem Kartoffelsack zog, hatte der Sommerspross nur noch Augen für den die Päckchen. Der seltsame Mann wurde zwar schief angeschaut, die vielen lustigen Pakete erschienen bald wichtiger. Zum Vorschein kamen unter anderem ein Feuerwehrauto, natürlich ein Bagger (Kaggaaaaaaaaa!!!) und eine Kugelbahn. Letztere bauten der Göttergatte und ich in der Nacht noch auf. Dabei stritten wir uns herrlich, wer nun was aufbauen darf, wer die erste Kugel die Bahn hinunterlaufen lassen darf und wie man die Kugelbahn nun am besten aufbaut. Man muss ja alles testen. Von der Säge schien der Sommerspross des Nachts zu träumen, denn als er morgens aufwachte, sagte er voller Begeisterung "ssssssssss" und machte dazu eine Sägebewegung. Also nix wie los, aufstehen und möglichst noch im Schlafanzug ins Wohnzimmer. Uhrzeit? Egal, es wird gespielt. Mama und Papa können sich ja am Kaffee festhalten. Nach drei Tagen Weihnachten war es dann aber auch wieder genug. Endlose Völlerei, weitere Päckchen, Verwandtschaftsbesuche und - dem Protest meines Göttergatten sei Dank - keine seltsamen Lieder vor dem Essen. Ab und zu wurde auch der Weihnachtsbaum vom Sommerspross umdekoriert. Soll heißen: Kugeln abhängen, Pferdchen an einen anderen Zweig (versuchen zu) hängen und immer wieder voller Begeisterung vor der Lichterkette stehen und "Kerze" rufen. Schön war es, aber zum Glück ist Weihnachten nur einmal im Jahr...
Dienstag, 20. Dezember 2016
Der Kaggaaaa-Infekt
Es ist passiert. Wir haben " Kaggaaaaa". Aufgetreten sind die ersten Symptome, als im Oktober unser Garten angelegt wurde. Seitdem befinden wir uns in einer kontinuierlichen Steigerung der Symptome. Die äußern sich vor allem bei kleinen Jungen, aber auch Mädchen sind nicht vor dieser Art von Infektion gefeit. Wovon ich spreche? Vom Bagger-Virus. Drei Wochen lang klebte der Sommerspross jeden Tag am kleinen Fenster hinter dem Küchentisch, balancierte auf dem Fensterbrett (jaaaa, bei geschlossenem Fenster), klammerte sich an den Fenstergriff und beobachtete, wie der "Kaggaaaaaa" bei uns im Garten wütete. Er wachte morgens auf, hörte von draußen das Knirschen, Rumpeln und Brummen des Baggers und es gab kein Halten mehr. Schon mal probiert, ein Kind anzuziehen oder gar die Windel zu wechseln, wenn es "Kaggaaaaaa" gucken möchte? Eben, dann versteht ihr ja meine Schweißausbrüche. Jedenfalls - eines schönen Samstags war unser Garten fertig und der Bagger rollte von dannen. Vergessen ist er natürlich nicht. Immer wieder klettert der Sommerspross auf die Küchenbank, zieht sich am Fenstergriff hoch und schaut in den Garten. Auf der Suche nach dem Bagger! Seine kleine Bibliothek hat sich neben Bobo Siebenschläfer und Apfel, Keks und Kuschelhase um einige Fachbücher erweitert, die für Einjährige unerlässlich sind: Meine ersten großen Fahrzeuge, Mein erstes Fahrzeugebuch, Fahrzeuge,... ja, man kann sagen, wir haben eine kleine Fachbibliothek für Einjährige mit Schwerpunkt Automobilindustrie. Dann die großen Wimmelbücher - stundenlang sitzen wir da, wälzen die Bücher und fachsimpeln über die Fahrzeuge. "Kaggaaaa" natürlich, "Dakto" und "Kraaaaaa" - die Begeisterung ist ungebrochen. Die Worte funktionieren in jede Tonlage und je nach Ekstase und Begeisterung übeschlägt sich sogar die Stimme. Traut man sich, mit dem autoverrückten Sommerspross einen Spaziergang zu machen, empfiehlt es sich, die benachbarten Baustellen aufzusuchen. Sollte zufällig noch ein Café in der Nähe sein, wird der Sommerspross in den Hochstuhl gesetzt, guckt mindestens eine halbe Stunde "Kaggaaaaa" und die Mama kann in der Zeit sogar entspannt einen Kaffee trinken. Der Kaggaaaaa-Virus wird mir immer sympathischer! Die Großbaustelle in Heilbronn ist ebenfalls toll. Für Autofahrer vielleicht weniger, aber für Kinder? Ein Traum! Wenn uns mal langweilig ist, fahren wir einfach nur die Baustelle für die Bundesgartenschau 2019 hoch und runter - das Kind ist begeistert. Kaggaaaa ist aber auch noch ein Synonym für unseren Staubsauger. Aus verständlichen Gründen (jeder, der ein Kleinkind hat, weiß, was ich meine) wohnt der Staubsaugerroboter mittlerweile auf dem Klo. Sollte ich tagsüber mal ein dringendes Bedürfnis haben, rennt mir der Sommerspross in affenartiger Geschwindigkeit hinterher und brüllt "Kaggaaaaaa". Wild gestikulierend zeigt er auf den Staubsauger und bedeutet mir, das der jetzt bitte saugen soll. Auf Diskussionen wie "Wir haben heute morgen gesaugt" geht er nicht ein. Bestimmt liegen irgendwo wieder Krümel rum, man weiß es nicht. Der Kaggaaaaa muss jetzt fahren. Sofort! Sonst gibt es einen Schreikrampf. Alternativ lenke ich den Sommerspross mit einem Buch ab. Das große Baggerfahrerbuch oder so ähnlich. Ab und zu, wenn ich abends Ausgang habe, komme ich nach Hause und höre von unten schon das vertraute Brummen. Oben wetzt dann der Sommerspross dem Kaggaaaaa hinterher, während ein grinsender Göttergatte sehnlichst darauf wartet, dass ich die nächste Baggerschicht übernehme. Kaggaaaaaaaaaaaaa!
Freitag, 9. Dezember 2016
Karussel und Kinderpunsch
Bei all der ganzen Weihnachtsstimmung habe ich etwas absolut wichtiges vergessen: die Weihnachtsmärkte! Unter Mistelzweigen spazieren gehen, leckere Maroni mampfen, Glühwein trinken und liebevoll handgearbeitete Weihnachtsgeschenke kaufen. Jaja, so sieht es in den Fantasien von Eltern aus. Nach dem Besuch von drei Weihnachtsmärkten in diesem Jahr (und es sind noch einige Tage bis Heiligabend), haben wir die erstem Fehler verbessert und sind zu grandios organisierten WeihnachtsmarktMitKindBesuchern geworden. Beispiele gefällig?
Der erste Weihnachtsmarkt war die Hölle. Ich hätte mir ja denken können, dass der Sommerspross bei so vielen fremden Menschen, die ihm abwechselnd die Mütze auf dem Kopf neu sortieren wollen, dutzidutzi machen oder einfach nur doof starren, die Krise bekommt und lieber auf dem Arm getragen wird als im Buggy zu sitzen. Wohlgemerkt: nur auf meinem Arm. Der wahrscheinlich bequemere und kräftigere Arm eines Onkels, der dabei war, wurde konsequent abgelehnt. Den Buggy haben wir also lediglich als Rammbock benutzen können. Nun gut, hat seinen Zweck damit auch erfüllt. Auf die Frage, ob der Sommerspross eigentlich auch Glühwein in seiner Tasse hat, antwortete meine Freundin, die dabei war: "Ja klar. Dann schläft er besser." Ich verbesserte sie und ergänzte, dass es Feuerzangenbowle sei. Großes Gequengel gab es am Karussel. Nicht nur, dass unsere Ohren mit Weihnachtsliedern vom Allerfeinsten gefoltert wurden, nein, der Sommerspross wollte unbedingt mitfahren. Nächstes Jahr, versprochen (dann kann er alleine fahren und wir trinken einfach, bis wir uns auch im Kreis drehen). Auf dem zweiten Weihnachtsmarkt hatte der Sommespross schon mehr Spaß. Mit großer Freude rannte er über eine aufgebaute Bühne, ich natürlich immer hinterher, Bühen hoch, Bühne runter, hinter die Hütte, wieder nach vorne. Als dummerweise ein Musiker seine Equipment aufbauen wollte, war der Spaß zuende. Nein, ich schlage mein Kind nicht, liebe andere Besucher. Er brüllt nur so, weil er seinen Willen nicht bekommt. Nehmen Sie doch Oropax, das soll helfen. Mit einer Waffel konnte ich ihn dann für einen Augenblick wieder besänftigen, der Kinderpunsch aus der Tasse (ganz wichtig! Nicht die doofe Flasche, nein eine Tasse muss es sein) tat sein übriges. Nach einer Stunde hatte er die Schnauze voll vom Gewimmel und wir traten den Heimweg an. Für den dritten Weihnachtsmarkt waren wir noch besser vorbereitet. Mit dabei: Sommerspross, meine Wenigkeit, eine Freundin sowie ihre kleine Tochter. Anfangs saß der Sommerspross im Buggy. Als ihm das Gewimmel der Leute zuviel wurde, die heiße Schokolade (mit Sahne!) leer war und er auch nicht mehr umherlaufen wollte, wechselten wir einfach durch: Sommerspross in die Trage auf den Rücken, das andere Mädchen mit den numehr müden Beinchen saß strahlend im Buggy und mampfte Nutella-Crêpes. Dazwischen immer wieder das begeisterte "Da" des Sommesprosses, wenn er einen Bagger, Kran oder eine Taube gesehen hat. Vor lauter Freude rammte er mir dann jedes Mal zappelnd die Beine in die Seite. Gelobt sei die dicke Winterjacke! Für uns war das der erfolgreichste Markt: jeder was gegessen und getrunken, im Kitsch herumgewühlt, schräge Weihnachtslieder eines einsamen Trompeters gehört, die Finger ein wenig eingefroren und nach eineinhalb Stunden Lichterglanz und besoffener Fröhlichkeit der anderen Besucher suchten wir als Weihnachtsmarktvollprofis entspannt das Weite.
Der erste Weihnachtsmarkt war die Hölle. Ich hätte mir ja denken können, dass der Sommerspross bei so vielen fremden Menschen, die ihm abwechselnd die Mütze auf dem Kopf neu sortieren wollen, dutzidutzi machen oder einfach nur doof starren, die Krise bekommt und lieber auf dem Arm getragen wird als im Buggy zu sitzen. Wohlgemerkt: nur auf meinem Arm. Der wahrscheinlich bequemere und kräftigere Arm eines Onkels, der dabei war, wurde konsequent abgelehnt. Den Buggy haben wir also lediglich als Rammbock benutzen können. Nun gut, hat seinen Zweck damit auch erfüllt. Auf die Frage, ob der Sommerspross eigentlich auch Glühwein in seiner Tasse hat, antwortete meine Freundin, die dabei war: "Ja klar. Dann schläft er besser." Ich verbesserte sie und ergänzte, dass es Feuerzangenbowle sei. Großes Gequengel gab es am Karussel. Nicht nur, dass unsere Ohren mit Weihnachtsliedern vom Allerfeinsten gefoltert wurden, nein, der Sommerspross wollte unbedingt mitfahren. Nächstes Jahr, versprochen (dann kann er alleine fahren und wir trinken einfach, bis wir uns auch im Kreis drehen). Auf dem zweiten Weihnachtsmarkt hatte der Sommespross schon mehr Spaß. Mit großer Freude rannte er über eine aufgebaute Bühne, ich natürlich immer hinterher, Bühen hoch, Bühne runter, hinter die Hütte, wieder nach vorne. Als dummerweise ein Musiker seine Equipment aufbauen wollte, war der Spaß zuende. Nein, ich schlage mein Kind nicht, liebe andere Besucher. Er brüllt nur so, weil er seinen Willen nicht bekommt. Nehmen Sie doch Oropax, das soll helfen. Mit einer Waffel konnte ich ihn dann für einen Augenblick wieder besänftigen, der Kinderpunsch aus der Tasse (ganz wichtig! Nicht die doofe Flasche, nein eine Tasse muss es sein) tat sein übriges. Nach einer Stunde hatte er die Schnauze voll vom Gewimmel und wir traten den Heimweg an. Für den dritten Weihnachtsmarkt waren wir noch besser vorbereitet. Mit dabei: Sommerspross, meine Wenigkeit, eine Freundin sowie ihre kleine Tochter. Anfangs saß der Sommerspross im Buggy. Als ihm das Gewimmel der Leute zuviel wurde, die heiße Schokolade (mit Sahne!) leer war und er auch nicht mehr umherlaufen wollte, wechselten wir einfach durch: Sommerspross in die Trage auf den Rücken, das andere Mädchen mit den numehr müden Beinchen saß strahlend im Buggy und mampfte Nutella-Crêpes. Dazwischen immer wieder das begeisterte "Da" des Sommesprosses, wenn er einen Bagger, Kran oder eine Taube gesehen hat. Vor lauter Freude rammte er mir dann jedes Mal zappelnd die Beine in die Seite. Gelobt sei die dicke Winterjacke! Für uns war das der erfolgreichste Markt: jeder was gegessen und getrunken, im Kitsch herumgewühlt, schräge Weihnachtslieder eines einsamen Trompeters gehört, die Finger ein wenig eingefroren und nach eineinhalb Stunden Lichterglanz und besoffener Fröhlichkeit der anderen Besucher suchten wir als Weihnachtsmarktvollprofis entspannt das Weite.
Mittwoch, 30. November 2016
Fummeln verboten
Bitte nicht anfassen! Nein, es geht jetzt nicht um das teure Porzellan von meiner Oma, die wertvollen Möbel im Schloss Sanssouci oder die Deko im Schnöselladen an der Bonzenpromenade. Die meisten Menschen halten sich bei Porzellan und teurer Deko auch an Verbotsschilder. Hier geht es vielmehr um zwei Lebewesen: die Muddis und ihre Kinder. Man stelle sich jetzt mal eine schwangere Muddi vor, die fröhlich ihres Weges läuft. Vielleicht schwankt sie schon ein wenig wie ein Schiff bei Seegang, vielleicht ist sie auch noch ziemlich beweglich. Ganz egal, das Objekt der Begierde ist auch nicht die werdende Muddi, sondern ihre Kugel, die sie glücklich vor sich herschiebt. Unweigerlich bleiben die Blicke von Passanten daran hängen, viele freuen sich mit der werdenden Familie. Soweit, so gut. Die Muddi betritt nun ein Geschäft. Binnen Sekunden stürmt eine Verkäuferin auf sie zu. Jedoch nicht, um sie zu beraten und ein Verkaufsgespräch zu führen. Stattdessen breitet sie die Arme aus, rennt mit nach vorne gestreckten Händen auf die Schwangere zu. PATSCH! "Ach, wie schön, Sie sind schwanger", ruft die Verkäuferin und befummelt den Bauch. Äh ja. Wie war das noch in dem einen Tanzfilm? Das ist dein Tanzbereich und das ist mein Tanzbereich. Oder um es etwas direkter zu sagen: Pfoten weg! Fummeln verboten. Es wäre jetzt auch schön, wenn man sich einfach trauen würde, etwas zu sagen. Vielleicht hilft als Gegenmaßnahme ein Griff an die Brust der Verkäuferin: "Oh, sind die echt? Nein? Wer war denn Ihr Chirurg?" Ob man sich dann noch in dem Geschäft blicken lassen sollte, ist eine andere Geschichte. Vor allem Damen über 55 sind für solche Übergriffe berühmt und berüchtigt. Ob die sich nach der Toilette die Hände gewaschen haben? Manches will ich gar nicht wissen.
Es geht aber noch weiter. Ist der Spross dann endlich auf der Welt, möchte jeder seinen Teil abhaben. Also, von den gut 3000 Gramm frisch geschlüpftem Menschlein. Die Füße, die Hände, alles ist "Sooooooooooo niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiedlich" und "Darf ich mal anfassen". Quasi wie auf dem Grabbeltisch, wer zuerst die Finger dran hat, hat gewonnen. Vor allem an kleinen Babys haben Hand- und Fußfetischisten ihre große Freude. Da wird gekitzelt und gefummelt, dass es eine liebe Freude ist. Für die Fummler. Das kleine Näschen des Babys wird akribisch betastet, in die Blubberbäckchen gekniffen und der Kopf getätschelt. Muddis stehen meistens mit offenem Mund daneben und wissen so gar nicht mehr, wie ihnen und ihrem Nachwuchs gerade geschieht. Ringelpietz mit anfassen oder so ist wohl wieder in Mode gekommen. Übermütige Verwandte schnappen sich den wehrlosen Spross und zeigen ihn allen. Schließlich muss man ja zeigen, wer jetzt noch zur Familie dazu gehört. Das Gefühl der Muddi? In der Sekunde wehrlos. Später dann einfach nur noch wütend, wenn das Baby vor lauter Stress weint und weint und weint. Doch zum Glück gibt es Stift und Papier. "Achtung, Masern" hängt nun bei jedem Einkauf über dem Maxi-Cosi. Sind die abgeklungen, folgt gleich die nächste Warnung: "Ansteckende Hautkrankheit". Seitdem ist Ruhe.
Es geht aber noch weiter. Ist der Spross dann endlich auf der Welt, möchte jeder seinen Teil abhaben. Also, von den gut 3000 Gramm frisch geschlüpftem Menschlein. Die Füße, die Hände, alles ist "Sooooooooooo niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiedlich" und "Darf ich mal anfassen". Quasi wie auf dem Grabbeltisch, wer zuerst die Finger dran hat, hat gewonnen. Vor allem an kleinen Babys haben Hand- und Fußfetischisten ihre große Freude. Da wird gekitzelt und gefummelt, dass es eine liebe Freude ist. Für die Fummler. Das kleine Näschen des Babys wird akribisch betastet, in die Blubberbäckchen gekniffen und der Kopf getätschelt. Muddis stehen meistens mit offenem Mund daneben und wissen so gar nicht mehr, wie ihnen und ihrem Nachwuchs gerade geschieht. Ringelpietz mit anfassen oder so ist wohl wieder in Mode gekommen. Übermütige Verwandte schnappen sich den wehrlosen Spross und zeigen ihn allen. Schließlich muss man ja zeigen, wer jetzt noch zur Familie dazu gehört. Das Gefühl der Muddi? In der Sekunde wehrlos. Später dann einfach nur noch wütend, wenn das Baby vor lauter Stress weint und weint und weint. Doch zum Glück gibt es Stift und Papier. "Achtung, Masern" hängt nun bei jedem Einkauf über dem Maxi-Cosi. Sind die abgeklungen, folgt gleich die nächste Warnung: "Ansteckende Hautkrankheit". Seitdem ist Ruhe.
Freitag, 25. November 2016
Fröhliche Weihnacht? Fröhliche Weihnacht!
Weihnachtsstimmung, oh ja. Funkelnde Lichter, Kugeln, rote Äpfel am Baum, eine Holzkrippe, dazu schöne Weihnachtslieder im Radio. So kenne ich die Vorweihnachtszeit aus der Kindheit. Wochenlang haben wir auf das Fest hingefiebert, dem Weihnachtsmann auf einen Zettel unsere Wünsche aufgemalt. Ich erinnere mich noch gut gut daran, als ich mir ein Pony gewünscht habe. Meine Eltern sagten mir, dass ich zu Weihnachten etwas Besonderes bekomme. Natürlich ging ich davon aus, dass es ein Pony wird. Nun gut, es war eine Trompete. Der bin ich bis heute treu geblieben. Ob das mit einem Pony genauso gewesen wäre? Meine Trompete verzeiht es mir nämlich, wenn ich sie mal zwei Wochen nicht anschaue... In den vergangenen Jahren ist die Weihnachtsstimmung dann ein wenig abhanden gekommen. Die Tage bis Heiligabend rannten nur so dahin. Zwischen Arbeiten und irgendwie leben sollten da noch Geschenke eingekauft, möglichst kreativ verpackt, ein Weihnachtsbaum organisiert, die Herbstdekoration aus dem Fenster verschwinden und stattdessen lustige Weihnachtsmänner aufgehängt werden - es war schlichtweg nur nervig. Dann diese Völlerei an den Festtagen mit dem anschließenden Vorsatz "Nie wieder essen". Nicht fehlen durfte in der Vorweihnachtszeit auch der Besuch auf einem der umliegenden Weihnachtsmärkte. Das hieß dann soviel wie stumpfes Schieben durch die Menschenmenge, mindestens einen Glühwein zuviel trinken, gestresste Menschen an sich vorbeieilen sehen, Smalltalk mit irgendwelchen Bekannten von früher am Maroni-Stand führen (bei denen mir immer erst hinterher einfiel, woher ich sie kannte) - kurz gesagt: Die Weihnachtsstimmung aus der Kindheit war fort. Irgendwann im Laufe der Jahre ist sie verschwunden und nichts deutete darauf hin, dass sie wiederkommt. Tatsächlich? Seit einem Jahr läuft alles bei uns anders. Schließlich ist ein kleiner Zwerg bei uns eingezogen. Und der flitzt mittlerweile durch die Gegend und bekommt soviel mit. An sein erstes Weihnachten im vergangenen Jahr und auch an den Baum wird er sich kaum noch erinnern. Vielleicht wird in seinem Unterbewusstsein aber sein zweites Weihnachten abgespeichert. Ich bin im absoluten Vorweihnachtsrausch. Die Herbstdeko ist aus dem Fenster verschwunden, voller Begeisterung von mir (und dem Sommerspross, der dabei zuschaute) habe ich Schneebilder gesprüht, einen Tannenbaum vor die Haustür gestellt, lustige Lichter ins Fenster gestellt und sogar der Adventskranz steht schon. Es macht so Spaß, den Adventskalender für den Sommerspross zu bestücken, mir sein Gesicht vorzustellen, wenn er die kleinen Autos und Bagger auspackt. Abende lang sitzen mein Göttergatte und ich auf der Couch, blättern Prospekte durch und überlegen, was wir dem Sommerspross schenken können. Was für einen Tannenbaum stellen wir auf, wer spielt den Weihnachtsmann,... Letzter ist bereits gefunden, der Onkel muss ran. Mitsamt Bart, Geschenkesack und rotem Mantel. Nicht einmal das Weihnachtsliedergedudel im Radio nervt, nein, ich schwebe auf einer großen, glitzernden Weihnachtswolke. Auch der Sommerspross freut sich über die ganzen Lichter. Seine Freude steckt an, sodass auch meine kindliche Vorweihnachtsfreude zurückgekehrt ist. Und ich wünsche mir, dass der Sommerspross an Heiligabend mit leuchtenden Augen auf den Baum guckt und sich einfach nur freut.
Dienstag, 8. November 2016
Abenteuer auf dem Feldweg
Der Spaziergang, ach ja. Noch vor einem dreiviertel Jahr haben wir Muddis keuchend unsere Kinderwägen die umliegenden kleinen Hügel hoch- und wieder runtergeschoben. Ziemlich ausdauernd haben wir dabei geschnattert, uns über Windelinhalte, Nächte, Babygebrabbel und dergleichen unterhalten. Währenddessen lagen unsere Sprösslinge im Wagen und haben vor sich hingeschnarcht. Wir genossen die Sonnenstrahlen, quatschten uns den Mund fusselig über Gott und die Welt, ächzten, wenn es den Berg hinaufging, hielten dann und wann an, wenn ein Spross an die Milchbar wollte und hatten eine ziemlich entspannte Spaziergangsrunde. Spätestens, seitdem unsere nunmehr als Kleinkinder bezeichneten Nachkommen den Kinderwagen endgültig aufgrund von Größe und Gewicht oder sonstigen Entwicklungsschüben (wie "Hallo, ich seh nix! Setz mich gefälligst hin) verlassen haben, ist es damit vorbei. Jetzt geht man nachmittags auf den Spielplatz. Rutschen, schaukeln, sandeln - das ist so spannend. Wir Muddis rufen uns alle paar Minuten den neuesten Klatsch und Tratsch zu, während wir versuchen, unser Kind von einer Nahtoderfahrung an der Rutsche abzuhalten. Wenn die Kinder ausgespielt haben, nutze ich die Chance, packe den Sommerspross noch in den Buggy und wir schaukeln los, Richtung Feldweg. Damit ich außer Auf-Die-Rutsche-Hieven und Auf-Der-Schaukel-Festhalten noch ein bisschen andere Bewegung bekomme. Das funktioniert auch ganz gut. Zumindest ungefähr 300 Meter weit. Dann beginnt der Sommerspross in der Regel zu randalieren. Soll heißen: er winkt mit den Armen, versucht, die Anschnallgurte des Buggys zu umgehen und sich auf den Feldweg zu stürzen. Immer nur sitzen ist ja schließlich langweilig. Also anhalten und alles aussteigen bitte. Jetzt beginnt der richtige Spaß beim Spaziergang. In weiser Voraussicht überzeuge ich meinen Sohnemann, dass wir wieder in Richtung Heimat laufen. Das funktioniert auch ganz gut. Etwas schwieriger ist das Tempo und die Wahl der Strecke, die wir beim Heimweg einschlagen. "Dadadada", juchzt er fröhlich vor sich hin. "Tatze!" Freudestrahlend zeigt er auf eine kleine Ameise, die schwer bepackt den Feldweg kreuzt. "Tatze" ist für ihn so ziemlich jegliches Getier, das ihm über den Weg läuft, kriecht oder fliegt. Wir arbeiten dran! Jedenfalls wird nun erstmal der Weg der Ameise begutachtet. Sohnemann geht in die Hocke und staunt, wie schnell die Ameise über den Feldweg rennt. Doch was ist dahinten? Da ist ja noch etwas viel Spannenderes! Nämlich Brennnesseln. Wieselflink steuert der kleine Mann auf das grüne Gewächs zu. Nur mit Mühe und Not kann ich ihn davon abhalten, sich in die Brennnesseln zu stürzen. Der Wutanfall wird billigend in Kauf genommen, ein Bad in den Brennnesseln wäre vermutlich noch lauter. Mit einem Mal brummt es über unserem Kopf. Ein Hubschrauber dreht seine Kreise. "Oäoäoäoäoä", macht mein Sohn. Eigentlich meint er damit Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen. "Nein, das ist ein Hubschrauber", versuche ich ihm zu erklären. "Dagga", antwortet er verständnisvoll. "Nein, auch kein Bagger", erläutere ich weiter. "Dadadada." Hm. Ja. Ok. Wir üben morgen weiter. Der Sommerspross hat wieder etwas entdeckt, denn uns komm ein weiterer Spaziergänger mit seinen Hunden entgegen. "Tatze", juchzt der kleine Mann voller Vorfreude. Ich halte ihn davon ab, auf die Hunde zuzustürzen und liebevoll an ihren Lefzen zu ziehen. Ich weiß ja nicht, ob sie auch so grobmotorisch sind. Die Hunde juckt das lachende Kind nicht und stolzieren einfach an uns vorbei. Geschickt lenke ich Söhnchen mit etwas Neuem ab. Er könnte ja mal den Buggy schieben! Mit Feuereifer ist er dabei. In Schlangenlinien schleichen wir weiter. Auf den folgenden Metern werden wir nur von bunten Blättern, Ameisen, Vögeln und dergleichen aufgehalten. Bis endlich die Krönung des Spaziergangs lauert: eine große Pfütze. Dummerweise stellt sie sich schnell als eine Güllelache heraus. Bevor ich reagieren kann, liegt der Sommerspross schon drin. Alles klar, heute Abend wird gebadet... Nach dem Bad in der Pfütze habe ich das Gefühl, dass Fliegen um unsere Köpfe kreisen. Nix wie heim. Aber der Sommerspross ist glücklich. Die Mama hingegen brotfertig. Weiß gar nicht, warum...
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