Urlaub - das erste mal seit einem Jahr stehen Sommer Sonne und Strand an. Das klingt nach jeder Menge Spaß und Erholung. Letzteres hat man nach der ganzen Organisierei vorher auch bitter nötig. Thema Reisepass war ja zum Glück schon abgehakt. Als nächstes folgte die Packerei. Als Paar ohne Kind braucht man zwei Koffer, Badehose und Bikini. Als frisch gebackene Eltern drei Packlisten, um für den kleinen Fratz nichts zu vergessen. Koffer und Taschen füllen sich fast von allein. Pampers, Feuchttücher, Kosmetiktücher und Wickelunterlagen - flupps, ist ein Koffer voll. 20 Kilo Freigepäck hat jeder, auch das Baby. Wir verzichten auf Reiseliteratur, das vierte Paar Schuhe und ersetzen alles mit Pampers und Bodys. In jede Reisetasche wird zudem ein Schnulli gepackt. Anstelle von Ibuprofen gegen den morgendlichen Kater nach langen Besuchen in der Disco füllen Fieberzäpfchen und homöopathische Cremes gegen Stiche das Medikamententäschchen. Vor zehn Jahren nahmen wir noch die Playstation mit, jetzt sind es Kinderwagen und Tragehilfe. Für die Fahrt zum Flughafen muss das Cabrio zuhause bleiben, stattdessen ist der familienfreundliche Kombi gestopft voll. Wohlgemerkt nur mit den Sachen für Eltern plus ein Baby. Ein Container ist bei mehr Kindern wohl angebracht. Am Flughafen meistern wir den Sicherheitscheck (Pampersbomber werden abgetastet), der Sommerspross erhält ein eigenes Ticket und der Spaß in der Luft beginnt. Der Flug dauert nur drei Stunden. Da er nicht überbucht ist, ist in unserer Reihe ein Sitz zwischen uns frei. Das Mobile können wir bequem am Vordersitz befestigen, Baby strampelt unten drunter auf dem Sitz. Das geschmackvolle Flugzeugessen bleibt auch Söhnchen nicht erspart. Dank der Milchbar nimmt er am kulinarischen Schock durch Pappbrötchen, Tetrapakrührei und Industriemarmelade teil. Gekonnt verdaut das unser Sprössling, sodass irgendwann die verzweifelte Suche nach einem Wickeltisch notwendig ist. Die Lösung naht auf der Flugzeugtoilette in Form des Klodeckels. Akrobatische Höchstleistungen auf einem Quadratmeter - kein Problem für die Profimutti. Andere singen dem Kind zur Beruhigung die Vogelhochzeit vor. Kein Wunder, dass das Flugzeug für einige Minuten Turbulenzen durchmacht. Dann endlich - der Urlaub beginnt. Mit Findet-Nemo-Schwimmwindel und Palmenrauschen.
Vorsorge, Ultraschall, Geburtsvorbereitungskurse, Hebammensuche und ein angepasstes Leben mit scheinbar notwendigen Tests. Wer glaubt, dass Kinderkriegen in der Moderne so einfach ist, könnte auf ungeahnte Schwierigkeiten stoßen...
Freitag, 9. Oktober 2015
Montag, 5. Oktober 2015
Fünf Minuten
Mutter zu sein ist schön. Man bekommt ganz genau mit, wie sich der Sprössling verändert. Alles wird beobachtet. Das erste Lachen des Kindes und die Sonne geht auf. Erste Töne wie "brrlbb" und "bummbrumm" oder "mamampapapmamam" - ich hin überzeugt, dass mein Kind besonders schlau ist. Man trifft sich außerdem mit anderen Muttis, tauscht sich aus und trinkt Kaffee. Eigentlich ganz schön. Aber: wenn der stolze Papa morgens das Haus verlässt, ist man erstmal allein. Kind waschen, anziehen. Zwischendurch selbst versuchen, sich in Windeseile anzuziehen. Haare kämmen fällt aus. Duschen auch. Dann: Kind hat Hunger. Dann Windel voll. Versuchen, danach selbst was zu essen. Idealerweise hat sich die Mutti zum Frühstück verabredet. Man quatscht über Kinder, die vergangene Nacht, Blähungen und stinkende Windeleimer. Nach zwei Brötchen, Stilltee und einem Spaziergang sind drei Stunden rum. Oder ganz ehrlich gesagt: drei Stunden so verbracht, dass man sich ausheulen kann und auf Leidensgenossinnen trifft. Beim Frühstück wird so viel gegessen, dass ein Mittagessen nicht mehr notwendig ist. Sonst wäre ein weiteres Szenario sicher: Kind ist in der Tragehilfe und ein Kochvergnügen ist möglich. Oder: Kind ist im Laufstall/ Stubenwagen etc. Die gestresste Mutti hastet zwischen Herd und Kind hin und her. Mit dem heulenden Kind auf dem Arm isst Mutti ganz schnell. Nach Möglichkeit nuckelt der Nachwuchs an der Milchbar. Einhändig essen ist schließlich kein Problem - und der Stammhalter merkt nicht, wenn man auf ihn kleckert.Nachmittags scheint die Zeit nicht verstreichen zu wollen. Ablegen? Keine Chance, auf Mamas Arm ist es am schönsten. Eine Stunde wird so geschlafen. 15 Uhr. Ganz schnell Pinkelpause. Pause vom Kind wohlgemerkt. Dann das übliche Spiel: stillen, wickeln, stillen. Mit dem Mobile spielen, vorsingen. Auf die Uhr schauen: 16 Uhr. Die Zeit schleicht. Dann wieder: stillen, wickeln, stillen. Spielen. Vorsingen. 17 Uhr. Dasselbe. 18 Uhr: Papa kommt nach Hause. "Ich gehe gleich duschen", verkündet er. NEIN!ICH! Dann... endlich. ... fünf Minuten für mich. Es fühlt sich wie der Aufenthalt in einem Spa an. Danach? Papa geht rauchen. Duschen. Isst was. Zwischendurch: Mutti stillt. Wickelt. Spielt... und wünscht sich: fünf Minuten! Fünf Minuten mal alleine..
Samstag, 26. September 2015
Schlaf, Kindchen, schlaf
Abends. Schlafenszeit. „Denkste“, sagt sich da unser Sommerspross und dreht uns eine lange Nase. Naja, das kann er noch nicht so gut. Vielmehr quengelt er, will abwechselnd an die Milchbar, dann doch lieber wieder spielen, oh nein, die Windel ist voll, hm, ach nee, ich bin unzufrieden, ich ruder mit den Ärmchen, Mama, Hunger, nein, kuscheln mit Papa – und dann das Ganze wieder von vorne. Eltern müssen Nerven wie Drahtseile haben. Sollten sie zumindest. Vor allem beim Thema beruhigen und schlafen ist es empfehlenswert, die Nerven mit Blumendraht aus dem Fachhandel zu umwickeln und sich so um das Kind zu kümmern. Und was macht man jetzt, wenn der Nachwuchs müde ist, jedoch nicht in den Schlaf findet? Ein paar Beruhigungsstrategien:
- Schuckeln. Bewährtes Prinzip, das ein wenig an
die Rüttelriemen zur Fettverbrennung am Bauch erinnert. Kind liegt wahlweise im
Fliegergriff oder an der Schulter. Dann wird geschuckelt. Und geschuckelt. Und
geschuckelt. Manch ein Baby entwickelt dabei Vorlieben: entweder nur vor-zurück
oder von rechts nach links. Gewiefte Eltern mit kinderwagenliebenden
Sprösslingen legen den Nachwuchs dort hinein, binden eine Schnur an den Lenker
und schon geht das fröhliche Gewiege los. Positiver Nebeneffekt: man macht
Sport. Nachteil: nach einer Stunde doch durchaus etwas anstrengend.
- Breastfeeding-to-sleep. Stillen, bis die
geliebte Quengelbacke an der Brust einschläft. Funktioniert vor allem nachts.
Kind quäkt, anlegen, nuckeln lassen, mit lecker Milch vollpumpen und selig
schläft es weiter – manchmal auch die Mutter. Wenigstens kommt sie so zum
schlafen.
- Müde machen. Bevorzugte Strategie meines
Göttergatten. Solange mit dem Baby spielen, bis es einschläft – natürlich in
Rückenlage, wissenschaftlich gut einschlafen könnte man das nennen. Es könnte
aber auch sein, dass man selbst einpennt, während der Nachwuchs glucksend unter
dem Mobile liegt und sich einen Ast über bunten Kugeln und Glöckchen freut.
- Die Variante, die der Sommerspross momentan liebt. Egal, ob
er quengelt, müde ist oder einfach schlechte Laune hat: er liebt es, wenn ich
singe. Mein Chorleiterlehrgangsfreund Markus hat schon (durchaus verständlich)
sehr entsetzt reagiert und empfohlen, mal einen Ohrenarzt aufzusuchen. Ich kann
mir auch nicht vorstellen, dass mein Gepiepse angenehm sein soll. Schnell
stelle ich beim Singen auch fest, dass meine Textsicherheit in den vergangenen
Jahren durchaus sehr gelitten hat. Die Vogelhochzeit geht ja noch, ich kriege
sogar vier Strophen zusammen. Wiedehopf ist aber auch eine lustige Vogelbezeichnung,
dann muss man sich nur noch Blumentopf merken und schon weiß man, was er zur
Hochzeit schenkt. Jedenfalls liegt auf der Wickelkommode jetzt ein
Kinderliederbuch.
Singen beruhigt nämlich nicht nur vorm Schlafen, sondern auch beim ungeliebten Wickeln. Während in Windeseile Pampers gewechselt werden, schiele ich gekonnt auf die Buchseiten und singe inbrünstig „Alle Vögel sind schon da“, „Kommt ein Vogel geflogen“ und weitere Gassenhauer. Zwischendurch macht sich meine Posaunenchorerziehung bemerkbar und Choräle werden gesungen. Meine in Würzburg wohnende Freundin Claudi hat einen einjährigen Sohn. Gestern Abend schickte sie mir freundlicherweise die Best-of-Liste der gesungenen Abendlieder: Bleib bei mir Herr, Der Mond ist aufgegangen, Mit meinem Gott geh ich zur Ruh, Nun ruhen alle Wälder, Abend ward, bald kommt die Nacht, Müde bin ich, geh zur Ruh, Weißt du, wieviel Sternlein stehen… Danke für die Tipps an dieser Stelle. Mein Problem dabei ist wieder nur: mehr als die erste Strophe krieg ich nie zusammen. Also werde ich ab sofort noch ein Gesangbuch neben das Kinderliederbuch auf die Wickelkommode legen. Falls mein Mann noch auf die Idee kommt, ich solle doch bitte das Repertoire um einige Rocksongs erweitern, wird es allerdings schwierig. Denn neben AC/DC-Songbook, Iron Maiden-Booklet und weiteren Rockschlagern sollte der Sommerspross auch noch Platz finden. Klarer Fall von: Wir müssen anbauen. Bei weiterer musikalischer Erziehung streike ich. Oder soll Helene Fischer auch noch als wachstumsfördernd geträllert werden? Wobei „Atemlos durch die Nacht“ bei schnellen Windelwechselaktivitäten zwischen 2 und 4 Uhr morgens durchaus passend wäre…
Singen beruhigt nämlich nicht nur vorm Schlafen, sondern auch beim ungeliebten Wickeln. Während in Windeseile Pampers gewechselt werden, schiele ich gekonnt auf die Buchseiten und singe inbrünstig „Alle Vögel sind schon da“, „Kommt ein Vogel geflogen“ und weitere Gassenhauer. Zwischendurch macht sich meine Posaunenchorerziehung bemerkbar und Choräle werden gesungen. Meine in Würzburg wohnende Freundin Claudi hat einen einjährigen Sohn. Gestern Abend schickte sie mir freundlicherweise die Best-of-Liste der gesungenen Abendlieder: Bleib bei mir Herr, Der Mond ist aufgegangen, Mit meinem Gott geh ich zur Ruh, Nun ruhen alle Wälder, Abend ward, bald kommt die Nacht, Müde bin ich, geh zur Ruh, Weißt du, wieviel Sternlein stehen… Danke für die Tipps an dieser Stelle. Mein Problem dabei ist wieder nur: mehr als die erste Strophe krieg ich nie zusammen. Also werde ich ab sofort noch ein Gesangbuch neben das Kinderliederbuch auf die Wickelkommode legen. Falls mein Mann noch auf die Idee kommt, ich solle doch bitte das Repertoire um einige Rocksongs erweitern, wird es allerdings schwierig. Denn neben AC/DC-Songbook, Iron Maiden-Booklet und weiteren Rockschlagern sollte der Sommerspross auch noch Platz finden. Klarer Fall von: Wir müssen anbauen. Bei weiterer musikalischer Erziehung streike ich. Oder soll Helene Fischer auch noch als wachstumsfördernd geträllert werden? Wobei „Atemlos durch die Nacht“ bei schnellen Windelwechselaktivitäten zwischen 2 und 4 Uhr morgens durchaus passend wäre…
Dienstag, 22. September 2015
Guck mal biometrisch
Wir wollen verreisen - ja, ganz genau, mit einem Baby. Bevor man aber auch nur annähernd an Flug oder den Urlaub überhaupt denken kann, gilt es einige Hürden zu überwinden. Im Hinterkopf schreibe ich schon Notizen, was ich alles für eine knappe Woche mitnehmen muss: einen gefühlten Jahresvorrat an Windeln und Feuchttüchern (letzteres werde ich nach Abschluss der Familienplanung aus meinem Wortschatz streichen), einen Koffer mit Bodys und Babykram, dazu Kinderwagen, Manduca,... Hoffentlich ist es ein Airbus A380. Doch das Wichtigste darf man nicht vergessen: den Kinderreisepass. Während meine Geschwister und ich einst noch bequem im Ausweisdokument unserer Eltern mitreisten, braucht unser Sommerspross einen eigenen Ausweis. Rechtzeitig (wirklich!) kümmere ich Vorzeigemutti mich um alles, was gebraucht wird. Der Freund und Helfer dabei ist eine bekannte Suchmaschine mit bunten Buchstaben. Benötigt wird:
- das Kind
- Pässe von Mutti und Papa
- Geburtsurkunde
- eine Vollmacht vom Ehemann (während ich einen auf Elternzeit mache, geht er nämlich arbeiten und ist morgens nicht im Bürgerbüro anzutreffen). Darin bescheinigt er mir, dass ich den Pass von Söhnchen beantragen darf
- EC-Karte (falls ich es wieder nicht schaffe, beim Geldinstitut meines Vertrauens die verlangten 13 Euro abzuheben)
- und last but not least: ein biometrisches Foto vom Sommerspross! Soll heißen: eines dieser grausamen Fotos, die einen so aussehen lassen, als sei man ein Verbrecher. Also, Pelle guck mal so, als ob du uns wieder eine Nacht geklaut hättest. Oder die Kasse der Milchbar geplündert. Oder Zielpinkeln von der Wickelkommode veranstaltet. Oder... oder... oder
Wir besuchen das Fotostudio unseres Vertrauens, um das gewünschte Foto machen zu lassen. Bei der Fotografin ist der Sommerspross eingeschlafen. Sie macht den Hampelmann, tanzt, schnippst mit den Fingern und bezirct ihn. Damit hat sie Erfolg. Er wacht auf und will sich gleich über die unliebsame Störung beschweren. Kurz bevor er anfängt zu brüllen, reißt er die Augen auf, guckt biometrisch und schwupps - haben wir das Foto. Perfekt. Es sieht nicht nach meinem Kind aus, aber gut... Der lebensechte Sohnemann teilt auch laut und deutlich mit, dass ihm die Fotografierei auf den Keks geht. Oder auf die Windel. Jedenfalls hat er keine Lust auf weitere Bilder und setzt zum Urschrei an. Schnell weg und weiter...
Nächste Station: Bürgerbüro. Die gewünschten Unterlagen werden geprüft, auch ob das anwesende Baby dem Baby auf dem Foto entspricht. Unterschreiben muss er noch nicht. Dabei hätte er doch einen Fußabdruck machen können. Vielleicht mit bunter Stempelfarbe? So wie wir früher beim Kartoffeldruck. Nebenbei gibt es Informationen von der Beamtin. Wenn das Baby sich verändert, brauchen wir ein neues Bild. Hm, heißt das, wir müssen nächste Woche wieder hin? Jedenfalls kann unser Sprössling sich jetzt ausweisen, wenn er in eine Fahrzeug-, Drogen- oder Alkoholkontrolle kommt. Man weiß ja nie...
- das Kind
- Pässe von Mutti und Papa
- Geburtsurkunde
- eine Vollmacht vom Ehemann (während ich einen auf Elternzeit mache, geht er nämlich arbeiten und ist morgens nicht im Bürgerbüro anzutreffen). Darin bescheinigt er mir, dass ich den Pass von Söhnchen beantragen darf
- EC-Karte (falls ich es wieder nicht schaffe, beim Geldinstitut meines Vertrauens die verlangten 13 Euro abzuheben)
- und last but not least: ein biometrisches Foto vom Sommerspross! Soll heißen: eines dieser grausamen Fotos, die einen so aussehen lassen, als sei man ein Verbrecher. Also, Pelle guck mal so, als ob du uns wieder eine Nacht geklaut hättest. Oder die Kasse der Milchbar geplündert. Oder Zielpinkeln von der Wickelkommode veranstaltet. Oder... oder... oder
Wir besuchen das Fotostudio unseres Vertrauens, um das gewünschte Foto machen zu lassen. Bei der Fotografin ist der Sommerspross eingeschlafen. Sie macht den Hampelmann, tanzt, schnippst mit den Fingern und bezirct ihn. Damit hat sie Erfolg. Er wacht auf und will sich gleich über die unliebsame Störung beschweren. Kurz bevor er anfängt zu brüllen, reißt er die Augen auf, guckt biometrisch und schwupps - haben wir das Foto. Perfekt. Es sieht nicht nach meinem Kind aus, aber gut... Der lebensechte Sohnemann teilt auch laut und deutlich mit, dass ihm die Fotografierei auf den Keks geht. Oder auf die Windel. Jedenfalls hat er keine Lust auf weitere Bilder und setzt zum Urschrei an. Schnell weg und weiter...
Nächste Station: Bürgerbüro. Die gewünschten Unterlagen werden geprüft, auch ob das anwesende Baby dem Baby auf dem Foto entspricht. Unterschreiben muss er noch nicht. Dabei hätte er doch einen Fußabdruck machen können. Vielleicht mit bunter Stempelfarbe? So wie wir früher beim Kartoffeldruck. Nebenbei gibt es Informationen von der Beamtin. Wenn das Baby sich verändert, brauchen wir ein neues Bild. Hm, heißt das, wir müssen nächste Woche wieder hin? Jedenfalls kann unser Sprössling sich jetzt ausweisen, wenn er in eine Fahrzeug-, Drogen- oder Alkoholkontrolle kommt. Man weiß ja nie...
Samstag, 19. September 2015
Erlebnisbericht eines Sommersprosses - Teil I
So, jetzt melde ich mich auch mal zu Wort. Ich bin der Sommerspross und sogar schon stolze acht Wochen alt. Meine Tage sind außerordentlich spannend: schlafen, an Mamas Milchbar abhängen, pupsen, schlafen, mit dem Mobile spielen und dann das Ganze wieder von vorne. Am Sichersten fühle ich mich bei Mama oder Papa auf dem Arm. Die passen nämlich auf mich auf. Um uns herum gibt es jede Menge andere Menschen, die auch meinen, auf mich aufpassen zu müssen. Da wird Mama meistens ganz schön wütend. Sie lässt es sich aber nicht anmerken, aber wenn es einer merkt, dann bin das ja wohl ich. Schließlich war ich neun Monate lang in ihrem Bauch und kenne sie in- und auswendig. Sie weiß aber trotzdem leider nicht immer, was ich will. Das verstehe ich nicht, aber das ist ein anderes Thema. Denn es gibt um uns herum Menschen, die mich total gut kennen. Das meinen sie zumindest. Sie geben nämlich immer Ratschläge und versuchen Mama und Papa mit ihren Tipps bei meiner Erziehung zu helfen. Erziehung? Weiß ich nicht, was das ist. Klingt auch nicht so, als würde es mir gefallen...
Jedenfalls: Vor einer Woche war ich mit Mama und Papa auf einer Hochzeit. Papas Cousine ist jetzt unter der Haube, und das wurde natürlich groß gefeiert. Mir war es viel zu warm und überhaupt: Dieser blöde Pullunder hat gekratzt wie doof. Dann war auch noch die Windel voll, ekelhaft, sag ich euch! Kein Wunder, dass ich gequäkt habe. Mama ist mit mir in den Park gegangen. Nur sie und ich, so saßen und lagen wir dann unter einem Baum. Das war schön. Später muss ich wohl auf ihrem Arm eingeschlafen sein. Das ist aber auch ein toller Ort. Schön warm und gemütlich. Da habe ich die süßesten Träume. Von ganz fern hörte ich irgendwann eine Stimme: "Soll ich ihn dir mal abnehmen?" Hä, was, wie? Nein, ich liege hier ganz gut. Dann folgte die nächste Frage: "Willst du ihn nicht mal in den Kinderwagen legen?" Nein, bitte nicht. Da ist nur so ein doofes Stofftier. Vollkommen unpersönlich und überhaupt nicht warm und gemütlich. Zum Glück hat Mama verstanden, dass ich kein Bedürfnis verspürte, von einem Verwandten zum nächsten rumgereicht zu werden. Und dass ich mit dem doofen Wagen erst recht nichts anfangen kann, haben Mama und Papa schnell kapiert. Ich habe es laut und deutlich gesagt. Und schwupps, schon bin ich wieder auf dem Arm. Dann wieder die Frage: "Darf ich ihn mal nehmen?" Hallo, ich schlafe immer noch. Sieht das denn niemand? Ich mache mich ganz schwer, kneife die Augen noch mehr zusammen und gebe ein zartes Schnarchen von mir (das übrigens viel süßer ist als das von Papa. Aber das darf ihm niemand sagen). Mit einem Mal merke ich, wie mir jemand in die Wangen kneift. Autsch, das tut vielleicht weh! "Och, ist der süüüüüüüüüüüß. Das ist aber ein Wonneproppen." Wonneproppen, ich geb euch gleich. Gekonnt pupse ich in meine Windel und ein leichter Duft nach saurer Milch entfleucht. Schnell entfernt sich der oder die Wangenkneifer. Ich weiß mich schon zu wehren.
Hm, ich muss wohl richtig eingeschlafen sein. Bestimmt zehn Stunden oder so. Jedenfalls wache ich im ungeliebten Kinderwagen auf und mein Magen ist leer. Boah, habe ich einen Hunger. Das sind richtige Schmerzen in meinem Bäuchlein. Sollte schnell gefüllt werden. Ich schmatze ein wenig vor mich hin, um auf mein Bedürfnis aufmerksam zu machen. Nichts passiert. Dann quäke ich kurz. Mama reagiert. "Pelle hat Hunger." Um sie herum beginnen Stimmen zu diskutieren. "Ach, renn doch nicht immer gleich hin, wenn er sich meldet." Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Mama die Augen verdreht. Sie nimmt mich auf den Arm. Wieder die anderen Stimmen. "Nimmst du ihn immer gleich auf den Arm, wenn er weint?" Ich merke, dass Mama innerlich brodelt. "Er hat Hunger", sagt sie relativ kurz angebunden. "Lass ihn doch mal quäken", sagt eine andere Stimme. "Du verwöhnst ihn sonst." Bitte was? Hallo, ich hab Hunger!?!?! Mama klingt genervt, was vielleicht auch daran liegt, dass mein leises Quäken lauter und bestimmter wird. "Ein Kind braucht Sicherheit und Nähe", erklärt Mama sehr bestimmt. Gleichzeitig öffnet sie endlich für mich die Milchbar. Man, das wird ja auch Zeit. Wenn die Kommentare der anderen nicht wären, wär ich schon längst satt und zufrieden - und wir könnten mir endlich eine neue Windel verpassen. Die wäre wieder voll. Ich gebe Mama zehn Minuten Zeit, dann quäke ich wieder. Mal schauen, was die Umstehenden dazu so an schlauen Kommentaren zu sagen haben. Ich halte euch auf dem Laufenden...
Jedenfalls: Vor einer Woche war ich mit Mama und Papa auf einer Hochzeit. Papas Cousine ist jetzt unter der Haube, und das wurde natürlich groß gefeiert. Mir war es viel zu warm und überhaupt: Dieser blöde Pullunder hat gekratzt wie doof. Dann war auch noch die Windel voll, ekelhaft, sag ich euch! Kein Wunder, dass ich gequäkt habe. Mama ist mit mir in den Park gegangen. Nur sie und ich, so saßen und lagen wir dann unter einem Baum. Das war schön. Später muss ich wohl auf ihrem Arm eingeschlafen sein. Das ist aber auch ein toller Ort. Schön warm und gemütlich. Da habe ich die süßesten Träume. Von ganz fern hörte ich irgendwann eine Stimme: "Soll ich ihn dir mal abnehmen?" Hä, was, wie? Nein, ich liege hier ganz gut. Dann folgte die nächste Frage: "Willst du ihn nicht mal in den Kinderwagen legen?" Nein, bitte nicht. Da ist nur so ein doofes Stofftier. Vollkommen unpersönlich und überhaupt nicht warm und gemütlich. Zum Glück hat Mama verstanden, dass ich kein Bedürfnis verspürte, von einem Verwandten zum nächsten rumgereicht zu werden. Und dass ich mit dem doofen Wagen erst recht nichts anfangen kann, haben Mama und Papa schnell kapiert. Ich habe es laut und deutlich gesagt. Und schwupps, schon bin ich wieder auf dem Arm. Dann wieder die Frage: "Darf ich ihn mal nehmen?" Hallo, ich schlafe immer noch. Sieht das denn niemand? Ich mache mich ganz schwer, kneife die Augen noch mehr zusammen und gebe ein zartes Schnarchen von mir (das übrigens viel süßer ist als das von Papa. Aber das darf ihm niemand sagen). Mit einem Mal merke ich, wie mir jemand in die Wangen kneift. Autsch, das tut vielleicht weh! "Och, ist der süüüüüüüüüüüß. Das ist aber ein Wonneproppen." Wonneproppen, ich geb euch gleich. Gekonnt pupse ich in meine Windel und ein leichter Duft nach saurer Milch entfleucht. Schnell entfernt sich der oder die Wangenkneifer. Ich weiß mich schon zu wehren.
Hm, ich muss wohl richtig eingeschlafen sein. Bestimmt zehn Stunden oder so. Jedenfalls wache ich im ungeliebten Kinderwagen auf und mein Magen ist leer. Boah, habe ich einen Hunger. Das sind richtige Schmerzen in meinem Bäuchlein. Sollte schnell gefüllt werden. Ich schmatze ein wenig vor mich hin, um auf mein Bedürfnis aufmerksam zu machen. Nichts passiert. Dann quäke ich kurz. Mama reagiert. "Pelle hat Hunger." Um sie herum beginnen Stimmen zu diskutieren. "Ach, renn doch nicht immer gleich hin, wenn er sich meldet." Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Mama die Augen verdreht. Sie nimmt mich auf den Arm. Wieder die anderen Stimmen. "Nimmst du ihn immer gleich auf den Arm, wenn er weint?" Ich merke, dass Mama innerlich brodelt. "Er hat Hunger", sagt sie relativ kurz angebunden. "Lass ihn doch mal quäken", sagt eine andere Stimme. "Du verwöhnst ihn sonst." Bitte was? Hallo, ich hab Hunger!?!?! Mama klingt genervt, was vielleicht auch daran liegt, dass mein leises Quäken lauter und bestimmter wird. "Ein Kind braucht Sicherheit und Nähe", erklärt Mama sehr bestimmt. Gleichzeitig öffnet sie endlich für mich die Milchbar. Man, das wird ja auch Zeit. Wenn die Kommentare der anderen nicht wären, wär ich schon längst satt und zufrieden - und wir könnten mir endlich eine neue Windel verpassen. Die wäre wieder voll. Ich gebe Mama zehn Minuten Zeit, dann quäke ich wieder. Mal schauen, was die Umstehenden dazu so an schlauen Kommentaren zu sagen haben. Ich halte euch auf dem Laufenden...
Dienstag, 15. September 2015
Rettet die Hebammen - ein offener Brief
Soviel Ignoranz schreit nach Protest - und ich, Fenja, habe im Juli einen Brief an den GKV-Spitzenverband geschrieben. Übrigens kam keine Antwort...
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Aussage „Freiberufliche Hebammen? Brauchen wir nicht“
von Ann Marini löst in mir pures Entsetzen aus. Nein, noch viel mehr,
Verzweiflung, Bestürzung und die Frage, was machen denn all die Mütter, die
nach der Entbindung ihres Kindes mit Problemen dastehen? Und die Väter, die
gerne helfen möchten, aber nicht wissen, wie sie bei einer
Brustwarzenentzündung vorgehen sollen? Oder wie sie helfen können, dass es mit
dem Stillen klappt? Ein Baby ist kein Haustier, dem man einen Fressnapf vor die
Nase stellt, mehrmals täglich Gassi geht, das Katzenklo leert oder den
Hamsterkäfig von den kleinen Kötteln befreit. Ein Baby benötigt weit mehr
Beachtung – und glauben Sie mir, ich habe Katzenbabys aufgezogen. Allein das
war schon eine Herausforderung. Jetzt bin ich in der 38. Schwangerschaftswoche
und die Entbindung rückt immer näher. Ich habe eine Hebamme und bin sehr froh
darüber. Bis ich sie gefunden habe, musste ich jedoch viele Anrufe tätigen,
Absagen kassieren – und da war ich in der 10. Ssw. Ohne die Hebamme würden nach
der Geburt einige Fragen offen bleiben. Wie legt man das Kind richtig an? Oh
ja, natürlich, im Krankenhaus bekommt man sicherlich wertvolle Tipps. Aber aus
dem Krankenhaus wird man auch wieder entlassen – und dann? Wenn Frau Marini
sagt, wir brauchen die freiberuflichen Hebammen nicht, wer unterstützt uns
Mütter und junge Familien dann? Leider weiß ich nicht, wie viele schwangere
Patientinnen derzeit die Praxis meiner Frauenärztin aufsuchen und zur gleichen
Zeit wie ich entbinden. Was ist, wenn all diese Mütter dann mit ihren Fragen
nach Geburt die Praxis stürmen? Und jede einzelne von ihnen mehrmals zwei
Stunden kommt und möchte, dass ihr gezeigt wird, wie man das Baby anlegt. Wie
man es badet. Die entzündete Brustwarzen haben, rot, blutig, wund. Das ist nur
das, was Frauen nach der Entbindung brauchen. Die Zeit der Schwangerschaft
selbst habe ich noch gar nicht mitgerechnet. Ich denke, wenn es einen
48-Stunden-Tag gibt und eine Zehn-Tage-Woche, dann wäre es möglich, dass unsere
Frauenärzte den Frauen zu helfen. Andere Patientinnen, die zur Vorsorge kommen
oder vielleicht sogar Unterleibskrankheiten haben, bleiben dann natürlich auf
der Strecke.
Vielleicht ist es aber auch möglich, dass die Krankenkassen
und die Politiker uns Müttern und Familien helfen. Dann besuchen sie uns
zuhause – oder auch schon vor der Geburt. Sie hören den Bauch nach
Kindsgeräuschen ab, haben wertvolle Tipps gegen Übelkeit, Erbrechen, Wasser in
den Beinen oder Schwangerschaftsdiabetes parat.
Man könnte aber auch einfach den unkomplizierten Weg
beschreiten und die freiberuflichen Hebammen in ihrem Tun unterstützen, fördern
und sie vor allem für die immense Verantwortung, die sie tragen, belohnen.
Wir brauchen unsere freiberuflichen Hebammen!!!!
Mit freundlichen Grüßen
Fenja Sommer
Samstag, 12. September 2015
Zuckersüße Schwangerschaft
Diagnose Schwangerschaftsdiabetes – klasse, denkt sich da jede Frau und macht sich natürlich sofort Sorgen um das Kind. Es besteht die Gefahr, dass die Kinder bei Schwangerschaftsdiabetes der Mutter das Insulin für diese mitproduzieren müssen. Das Kind wächst daraufhin viel schneller als üblich – nur die Organe haben nicht dasselbe Wachstum. Also alles Faktoren, die man als werdende Mutter selbstverständlich vermeiden möchte. Spaßen sollte man damit nicht, eine Freundin von mir hatte wirklich Schwangerschaftsdiabetes, ein Freund von mir ist Diabetes Typ II. Aber manchmal lohnt es sich auch, zu hinterfragen.
Zwischen dem sechsten und siebten Monat hieß es auch bei mir
„Zuckertest“ machen. Die freundliche Arzthelferin versuchte gleich, mir den
großen Zuckertest aufzuschwatzen. Denn es gibt natürlich Unterschiede.
-
Der kleine Zuckertest wird nicht nüchtern
durchgeführt. Die Schwangere trinkt eine Flüssigkeit mit 50g Glukose. Nach
einer Stunde wird Blut abgenommen und der Blutzuckerwert gemessen. Das zahlt
die Krankenkasse.
-
Beim großen Zuckertest muss man nüchtern
erscheinen. Insgesamt wird dreimal Blut abgenommen. Zuerst nüchtern. Dann
trinkt die Schwangere eine Flüssigkeit mit 75g Glukose. Nach einer Stunde und
nach zwei Stunden wird jeweils nochmals Blut abgenommen. Das zahlt die
Krankenkasse nur, wenn der kleine Test vorher schon auffällig war. Macht man
den großen Test gleich, zahlt man selbst…
Soviel zur Theorie… Ich sagte der Arzthelferin, dass ich nur
den kleinen Zuckertest mache. Sie: „Falls die Werte auffällig sind, müssen Sie
den großen aber trotzdem machen.“ Ja, und? Dann ist es eben so. Ein Verdacht
auf Gestationsdiabetes bestand bei mir ja nicht. Die Zuckerlösung war
widerlich, knallgelb und schmeckte nicht wie leckere Limonade. Augen zu und
durch…
Randbemerkung: In diesem Zeitraum hatte ich wahnsinnig viel
Stress. Wir wollten umziehen, rücksichtslose Menschen hackten auf der
Schwangerschaft rum und ich kam nicht wirklich zur Ruhe. Später erfuhr ich,
dass das den Blutzuckerwert in die Höhe schnellen ließ. Aber weiter im Text.
Nach einer Woche erhielt ich abends gegen kurz vor 20 Uhr
einen Anruf aus der Frauenarztpraxis. Das Ergebnis des Glukosetoleranztests
besagte, dass der Wert leicht erhöht sei. So die Information der Arzthelferin.
Ich solle doch bitte am darauffolgenden Tag morgens um acht Uhr kommen und den
großen Zuckertest machen. Die Bedingungen: 12 Stunden lang nichts essen, nichts
trinken. Auch kein Wasser. Klasse, dachte ich mir, aber ich hielt mich dran. Zwei
Wochen später erfuhr ich übrigens, dass man Wasser trinken darf.
Mit jeder Menge Durst erschien ich dann am nächsten Morgen
in der Praxis. Blut abnehmen lassen, Zuckerwasser trinken (schmeckte zum Glück
nach dem Eisensaft, den man in der Apotheke bekommt), warten. Glücklicherweise
sind im Wartezimmer in der Regel jede Menge Zeitschriften. Während ich mich
also darüber informierte, was denn die Schönen und Reichen dieser Welt gerade
anstellen, ging die Zeit wenigstens ein bisschen rum. Wer ist schwanger bei den
Königlichen? Wann kommt das Baby? Wer hat wen betrogen – seichte Lektüre, die
wenigstens nicht anstrengend ist. Dazu kommt der Plausch im Wartezimmer. An
diesem Morgen schienen einige Schwangere anwesend zu sein. Man verglich also,
wer wie weit schon ist, wird es ein Junge oder Mädchen, wie viel hat die andere
schon zugenommen, oh, Sie haben es aber gut, gibt es schon weitere Geschwister,…
alles hochspannend. Nach einer Stunde dann die Flucht ins Labor. Blut abnehmen.
Dann das Spielchen wieder von vorne. Schwangerentalk, Promiklatsch,… Wieder
eine Stunde später nochmals Blut abnehmen. Ärzte scheinen Vampire zu sein. Dann
endlich nach Hause.
Einige Tage später wieder so ein netter Anruf aus der
Praxis. Der Nüchternwert des Zuckertests ist leicht erhöht, teilte mir die
kompetente Sprechstundenhilfe am Telefon mit. Ich solle doch bitte
vorbeikommen, eine Überweisung zum Diabetologen abholen und mit ihm über eine
Ernährungsumstellung nachdenken. Die Frage, die mir durch den Kopf schoss:
Warum empfiehlt mir die Sprechstundenhilfe eine Ernährungsumstellung? Sie weiß
doch gar nicht, was ich esse und wie ich lebe? Oder waren wir in einem früheren
Leben schon einmal befreundet und sie kennt mich? Bin dennoch brav hingedackelt
und habe meine Überweisung abgeholt. Nicht ohne erneut den Hinweis der freundlichen
jungen Dame zu erhalten, dass ich mich mit dem Diabetologen über eine
Ernährungsumstellung unterhalten sollte. Ich hielt Rücksprache mit einer
Hebamme. Die versicherte mir, dass ich kerngesund bin – kein Diabetes habe.
Und da ich selbst von meiner Gesundheit überzeugt war, weigerte
ich mich. Bis zum nächsten Besuch bei meiner Ärztin – da hatte ich dummerweise
Zucker im Urin. Also ließ ich mich breitschlagen und verabredete einen Termin
beim Diabetiker. Zwei Tage später rollte ich dort an. Merke: Zeit mitbringen! Als
erstes gab es ein 45-minütiges Gespräch mit der Ernährungsberaterin. Spannend
*gähn* Sie schrieb sich genau auf, was ich so esse und trinke: Vegetarierin,
Obst, Joghurt, Wasser, Kaffee, Tee – ab und zu Süßkram. Klingt eindeutig nach einem
Fall für Schwangerschaftsdiabetes. Die Beraterin meinte dann, es könnte sein,
dass ich wegen des Nüchternwertes abends eine kleine Dosis Insulin spritzen
müsse. Auf jeden Fall gab sie mir ein Blutzuckermessgerät mit. Sie hackte noch
ein wenig darauf rum, dass mein Baby von der Entwicklung zwei Wochen hinterher
sei – und erst in der 29. Woche, nicht in der 31. Woche. Drama. Dann klärte sie
mich noch darüber auf, dass die Beratung ja so teuer ist und die Krankenkasse
das aber zahlt und blablablabla… Ich schaltete auf Durchzug. Danach ab ins
Wartezimmer, bis ich wieder aufgerufen wurde. Der Höhepunkt des Tages nahte,
ich sollte mit einem leibhaftigen Diabetikerarzt sprechen. Es folgte der
nächste Vortrag über Gefahren von Gestationsdiabetes, Ursachen und so weiter.
Ein Blick auf mich: „ An Ihrer Ernährung kann es nicht liegen.“ Gewichtszunahme
bis dahin – wenig. Ach neee… Dann kamen endlich die interessanten Dinge des
Tages. An meiner Ernährung könnte ein Gestationsdiabetes nicht liegen. Wenn,
dann sei es ein genetischer Defekt. Huch – endlich mal eine neue Information.
Viel spannender war aber auch die Info, dass es durchaus schon vorgekommen sei,
dass Blut, das direkt untersucht wird, einen anderen Wert hat, als Blut, das
erst einige Stunden später im Labor geprüft wird. Wir verblieben dabei, dass
ich eine Woche lange fleißig piekse und messe. Dann solle ich mich melden und
eventuell wird ein weiterer Blutzuckertest gemacht. Meine Ärztin sollte
außerdem einen Brief erhalten, worin das stehen sollte, was wir besprochen
haben. So die Theorie.
Das Ende vom Lied? Meine Ärztin erhilet einen Brief mit „Patientin
hat Schwangerschaftsdiabetes“. Übrige Infos fehlten. Warum? Vielleicht
Alzheimer beim Arzt? Sollte sich mal testen lassen… Ich habe drei Wochen lang
fleißig gepiekst. Meine Werte waren immer top, nie zu hoch. An den Tipp der
kompetenten Sprechstundenhilfe, ich solle doch meine Ernährung umstellen, habe
ich mich nicht gehalten. Denn was sollte ich ändern? Vom ganz normalen Jieper
auf Süßkram abgesehen, esse ich viel Obst und Gemüse und und und. Ich schrieb
die Werte an die Diabetikerpraxis. Bis da mal eine Antwort kam, verging Zeit
ohne Ende. Dann die Empfehlung per Mail: auch wenn die Werte gut seien, solle
ich doch bitte noch einmal zu einem Gespräch kommen. Äh, warum? Ach so, klar…
Pro Besuch verdient der Arzt 100 Euro. Die wollte er sich natürlich nicht
entgehen lassen. Ich schrieb, dass ich nicht komme. Am besagten Tag, an dem ich
die Praxis hätte aufsuchen sollen, klingelte das Telefon. Wo ich denn sei. Ich:
Ich komme nicht, das habe ich Ihnen doch geschrieben. Anmerkung: Das war sogar
zwei Wochen her. Hm, die Mail sei wohl noch nicht gelesen worden.
Auch in den letzten Wochen der Schwangerschaft piekste ich
mich ab und zu. Flogen deshalb ab und zu Fledermäuse ums Haus? Auf der Suche nach
meinem vermeintlichen Zuckerblut? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: die Werte
waren immer gut. Trotzdem stand auf der Einweisung ins Krankenhaus: am
Geburtstermin einleiten. Kommentar der Ärztin: „Sie glauben wohl nicht, dass
wir Sie zehn Tage übertragen lassen.“ Eine Begründung? Fehlanzeige. Hm,
vielleicht weil dann ein Kaiserschnitt möglich wäre und daran wird ja verdient
hoch zehn. Eine Hebamme im Krankenhaus beruhigte mich: „Das können Sie
verweigern.“ Außerdem bestand keine Gefahr für mich und das Baby. Und am 23.
Juli kam ein quietschfideler Sommerspross auf die Welt. Nicht zu schwer, eher ein
zartes Wesen von 2650 Gramm. Im Krankenhaus war auch keine Rede mehr von
Diabetes.
Trotzdem konnte es meine Ärztin nicht lassen und mich bei
der Nachsorge noch einmal auf den Test hinzuweisen. Dass die Werte nur einmal
leicht erhöht waren, das ließ sie mich gar nicht erst sagen. Ausreden lassen,
eine Patientin? Nein, erst recht nicht, wenn diese sich bei anderen Hebammen
informiert hat, viel rund um Gestationsdiabetes las und überhaupt keine hohen
Zuckerwerte mehr hatte. „Der Test zeigt es so.“ Nun gut, gelte ich halt
weiterhin als süß mit niedrigem Blutzucker…. Was ich mir gewünscht hätte: Dass
meine Zweifel in der Schwangerschaft ernst genommen werden und vielleicht
einfach ein neuer Test gemacht wird. Aber Ärzte geben Fehler leider selten zu.
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